Zugegriffen
Mehrere politische wie gesellschaftliche Revolutionen hat «Le nozze di Figaro» in ihrer knapp 230-jährigen Geschichte schon erlebt, wie Francis Hüsers, der Johannes Eraths Inszenierung als Dramaturg betreut, im Programmheft mit Recht hervorhebt. Die Adelskritik weist in Richtung französische Revolution, während die offene Thematisierung von nichtehelichen Beziehungen sogar für die Achtundsechziger noch interessant wirken konnte. Dennoch muss man, und das tut das Regieteam, auch hinterfragen dürfen, ob uns nicht andere Folgen dieser Revolutionen auch von dem Stück entfernt haben.
Erath und Hülsen interessieren sich dabei besonders für die Jungfräulichkeit, die für Figaro und den Grafen eine zentrale Kategorie darstellt, während sie heute in Beziehungen zwischen erwachsenen Menschen kaum noch eine Rolle spielt. Doch das dürfte im Theater ein geringeres Problem darstellen, als das Regieteam meint: Zum einen ist Jungfräulichkeit noch immer als Mythos wie auch als Symbol für die Exklusivität einer Beziehung lesbar; zum anderen ist die geradezu katalogartige Darstellung unehelichen Liebens und Verlangens ganz bewusst janusköpfig gehalten.
Erath aber will es genau wissen und siedelt die ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Carsten Niemann
Als der 24-jährige Bohuslav Martinu 1923 nach Paris kam, um bei Albert Roussel weiter Komposition zu studieren, begann eine der faszinierendsten künstlerischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts, ein Weg des ständigen Oszillierens zwischen nostalgisch-folkloristischen Einflüsterungen, Erinnerungen, Sehnsüchten und modernistisch-urbanen, gleichsam kosmopolitischen...
Wunderbar, wie in der Ouvertüre die Soloklarinette als jäh aufschießende Flamme die Allegro-Erregungen des Orchestertuttis durchbrach, an Klangmacht der impetuösesten Trompete nicht nachstehend und doch so viel verwandter einer transzendierten Menschenstimme. Auch die Hörnergruppe des Staatsorchesters, leicht aufgeraut und virtuos eloquent, hatte unter der...
Herr Kupfer, wann waren Sie eigentlich zuletzt in Ihrem ehemaligen Stammhaus, der Komischen Oper?
Das ist noch nicht so lange her. Ich wollte wissen, wie Barrie Kosky die «West Side Story» inszeniert hat. Ich hätte das Stück ja selbst gern auf die Bühne gebracht, in Dresden. Daraus wurde aber leider nichts, weil wir für unsere Spielfassung die Rechte nicht bekamen....
