Zugegriffen
Mehrere politische wie gesellschaftliche Revolutionen hat «Le nozze di Figaro» in ihrer knapp 230-jährigen Geschichte schon erlebt, wie Francis Hüsers, der Johannes Eraths Inszenierung als Dramaturg betreut, im Programmheft mit Recht hervorhebt. Die Adelskritik weist in Richtung französische Revolution, während die offene Thematisierung von nichtehelichen Beziehungen sogar für die Achtundsechziger noch interessant wirken konnte. Dennoch muss man, und das tut das Regieteam, auch hinterfragen dürfen, ob uns nicht andere Folgen dieser Revolutionen auch von dem Stück entfernt haben.
Erath und Hülsen interessieren sich dabei besonders für die Jungfräulichkeit, die für Figaro und den Grafen eine zentrale Kategorie darstellt, während sie heute in Beziehungen zwischen erwachsenen Menschen kaum noch eine Rolle spielt. Doch das dürfte im Theater ein geringeres Problem darstellen, als das Regieteam meint: Zum einen ist Jungfräulichkeit noch immer als Mythos wie auch als Symbol für die Exklusivität einer Beziehung lesbar; zum anderen ist die geradezu katalogartige Darstellung unehelichen Liebens und Verlangens ganz bewusst janusköpfig gehalten.
Erath aber will es genau wissen und siedelt die ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Carsten Niemann
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