Enigma Variationen

Lavandier: Le premier meurtre
Lille | Opernhaus

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Wenn Figuren aus dem Textbuch steigen wie Tote aus dem Grab, wird es kompliziert. Schon dem Theaterdirektor in Luigi Pirandellos berühmter Groteske geht es so, als er Besuch von sechs Personen erhält, die ihren Autor verlassen haben und nun einen neuen suchen.

Ein ähnliches Schicksal erleidet der Schriftsteller Gabriel in Arthur Lavandiers knapp zweistündigem Musiktheater «Le premier meurtre», uraufgeführt im Opernhaus zu Lille.

Die Geschichte gleicht einem Verwirrspiel: Gabriel erhält Besuch von zwei schwarz gekleideten Herren, die ihn drängen, seine literarische Produktion wieder aufzunehmen. Also sinnt er darüber nach, eine Tragödie zu schreiben; deren Hauptrolle soll Hippolyte übernehmen, mit dem ihn eine homoerotische Beziehung verbindet. Emma, Gabriels Frau, ahnt, dass ihr bisher schon aufopferungsvolles Leben eine weitere schmerzliche Steigerung erfahren wird. Zumal dem Gatten die Kontrolle über sein Werk (über dessen Inhalt man allerdings nichts erfährt) zusehends entgleitet. Zwischen Fantasie und Wirklichkeit weiß er kaum noch zu unterscheiden; Personen aus seinem Umfeld, etwa den geheimnisvollen Fremden (L’autre), hält er für Bühnenfiguren, deren ...

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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Mathias Nofze

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