Zu Otello wird man gemacht
Vor zwei Jahren schlug Dmitri Tcherniakovs «Carmen»-Inszenierung in Aix-en-Provence hohe Wellen. Der russische Regisseur und Bühnenbildner hatte Bizets Opern-Blockbuster so radikal umgepolt, dass das Stück bei ihm eigentlich «Don José» heißen müsste. Nicht die Titelheldin, sondern ihr oft als Weichei gezeichneter Lover bildete den Mittelpunkt.
Die Geschichte spielte in einer noblen Psycho-Klinik: Micaëlas ausgebrannter Ehemann soll zur emotionalen Enteisung in einer therapeutischen Versuchsanordnung Don José spielen, rutscht dabei aber mehr und mehr in die Rolle hinein und findet nicht wieder heraus. Der amerikanische Tenor Michael Fabiano machte aus dieser kühnen Regie-These eine erschütternde psychopathologische Fallstudie. Anfangs wechselte er virtuos zwischen Spiel und Ernst, später steigerte er sich furios in mörderischen Wahn – und sang dabei grandios, strahlend, musikalisch hoch differenziert. Eine atemraubende Leistung.
Im Vergleich mit Tcherniakovs Regiepranke ist Bartlett Shers statische «Rigoletto»-Dekoration, die letzte Neuproduktion der laufenden Spielzeit an der Berliner Staatsoper, eine ziemlich blutleere Angelegenheit. Aber der Herzog gehört zu Fabianos ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Regine Müller
Herr Vandenhouwe, wozu braucht man eigentlich Musikdramaturgen?
Wenn man zum Beispiel mit Schauspielregisseuren oder Choreografen arbeitet, die keine Erfahrung mit Oper haben, muss jemand da sein, der sie auf die Besonderheiten des Musiktheaters vorbereitet ...
Also Künstler wie Johan Simons, der zwar keine Noten liest, aber Beethovens «Fidelio», Wagners...
Nicht nur im Vergleich mit den beiden anderen deutschen Festivals zu Ehren des Meisters (in Göttingen und Karlsruhe), sondern weltweit bieten die Hallenser Händel-Festspiele Halle das größte Barockmusik-Fest seiner Art. In diesem Jahr waren es an 17 Juni-Tagen 111 Veranstaltungen mit 58 000 Gästen, die Auslastung lag bei 87 Prozent. In puncto künstlerischer Rang...
Zuletzt sorgte die Oper Halle vor allem wegen der erbitterten, öffentlich ausgetragenen Kontroverse um die künstlerische Leitung für Furore. Aber auch mit dem Theaterpreis des Bundes, der ausdrücklich die innovative Ausrichtung des Hauses nennt, die sich unter anderem im Konzept einer die Grenze zwischen Zuschauern und Akteuren aufhebenden Raumbühne erkunden lasse....
