Zeitlos modern

Berg: Wozzeck am Theater Lübeck

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Wozzecks weißes Hemd scheint frisch gewaschen. Nur der Overall, den er darüber trägt, grenzt ihn von den hier den militärischen Ton angebenden Herren, denen er zu dienen hat, ab. Naturalistisches Dekor des Prekären und der sozialen Ungleichheit aber braucht Brigitte Fassbaender im aufgeräumten Bühnenbild von Bettina Munzer mitnichten, einem zwischen Hotelhalle und Kaserne changierenden Raum der Öffentlichkeit mit allerhand Türen und Toren.

Stattdessen durchleuchtet sie die Mechanismen, mit denen Menschen andere Menschen erniedrigen, sie in Abhängigkeit zu sich bringen, um sich damit doch nur selbst zu erhöhen. Schnörkellos und unsentimental führt uns Fassbaender Wozzecks Schicksal vor Augen. Just in der Kunst des Weglassens und der Verdichtung entfaltet sie eine maximale narrative Intensivierung.

Zwei Requisiten, zwei zentrale Zeichen von Abhängigkeit und Gewalt, erscheinen im «Wozzeck» sonst als nahezu unverzichtbar; doch die Regisseurin, die einst Sängerin war, braucht sie nicht, sie ersetzt sie einfach durch szenische Genauigkeit und die Präsenz des Ensembles: Erstens ist dies das Geld, das Wozzeck («Wir arme Leut») fehlt, zweitens ist es das Messer, mit dem er seine Marie am ...

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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Peter Krause

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