Wer war Offenbach?

Sogar die Kurie sucht Antwort auf die zum 200. Geburtstag in Köln ausgerufene Frage aller Fragen. Die Oper peppt im Staatenhaus «La Grande-Duchesse de Gérolstein» auf, in der Philharmonie rehabilitiert die niederländische Opera Zuid «Fantasio», Christian von Götz steuert eine Revue auf dem Bau bei

Der Kölner Kardinal muss es wissen. In seinen Ausführungen über «Religion und Humor» zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach hat Rainer Maria Woelki als ersten biblischen Lacher die Reaktion des israelitischen Stammvaters Abraham auf Gottes Verheißung ausgemacht, er, Abraham, werde im hohen Alter noch einmal Vater werden (von Isaak). Es war das Lachen des ungläubigen Zweifels.

Und da lassen sich tatsächlich einige Verbindungslinien zu Jacques Offenbach und seinem Werk herstellen – sicher aber auch zu dem, was zum Jubiläum des gebürtigen Kölners am Rhein so alles veranstaltet wird.

Offenbach selbst, der ein Leben lang gute Beziehungen zu seiner jüdischen Familie in Köln pflegte, fühlte sich vom Kulturleben der Domstadt links liegengelassen, seinem Berliner Verleger riet er offen davon ab, seine Stücke nach Köln zu vermitteln. Die prachtvolle Synagoge, an deren Vorgängerbau Offenbachs Vater als Chasan (Vorbeter) gewirkt hatte, wurde 1938 zerstört und beseitigt. Ja, selbst die Benennung des Offenbachplatzes vor der heutigen Oper musste 1957 gegen den Protest der FDP und CDU durchgesetzt werden: Die nämlich hielten den Wahlpariser nicht für eine prägende Figur der Kölner Kultur.

D ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Michael Struck-Schloen

Weitere Beiträge
Gillett trifft... Michael Kraus

Als ich Michael Kraus zum ersten Mal in Glyndebourne begegnete, beeindruckten mich nicht nur seine Stimme und Bühnenpräsenz, sondern auch die nüchterne Haltung zum Sängerberuf. Er ist ein Künstler, der Lob scheut, sich nichts vormacht. Beste Voraussetzungen für die Aufgabe, die er ab 2020 übernimmt: die Leitung des neuen Opernstudios an der Wiener Staatsoper.

Mic...

Altmeister ziehen immer

Nicht nur im Vergleich mit den beiden anderen deutschen Festivals zu Ehren des Meisters (in Göttingen und Karlsruhe), sondern weltweit bieten die Hallenser Händel-Festspiele Halle das größte Barockmusik-Fest seiner Art. In diesem Jahr waren es an 17 Juni-Tagen 111 Veranstaltungen mit 58 000 Gästen, die Auslastung lag bei 87 Prozent. In puncto künstlerischer Rang...

Personalien | Meldungen August 2019

JUBILARE

Gabriella Tucci studierte an der Accademia di Santa Cecilia bei Leonardo Filoni. Ihr Debüt gab die Sopranistin 1951 in Spoleto als Leonora in Verdis «La forza del destino» an der Seite Beniamino Giglis, zwei Jahre später sang sie in der legendären Aufführung von Cherubinis «Medea» mit Maria Callas in Florenz die Partie der Glauce – ein Meilenstein ihrer...