Wer war Offenbach?
Der Kölner Kardinal muss es wissen. In seinen Ausführungen über «Religion und Humor» zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach hat Rainer Maria Woelki als ersten biblischen Lacher die Reaktion des israelitischen Stammvaters Abraham auf Gottes Verheißung ausgemacht, er, Abraham, werde im hohen Alter noch einmal Vater werden (von Isaak). Es war das Lachen des ungläubigen Zweifels.
Und da lassen sich tatsächlich einige Verbindungslinien zu Jacques Offenbach und seinem Werk herstellen – sicher aber auch zu dem, was zum Jubiläum des gebürtigen Kölners am Rhein so alles veranstaltet wird.
Offenbach selbst, der ein Leben lang gute Beziehungen zu seiner jüdischen Familie in Köln pflegte, fühlte sich vom Kulturleben der Domstadt links liegengelassen, seinem Berliner Verleger riet er offen davon ab, seine Stücke nach Köln zu vermitteln. Die prachtvolle Synagoge, an deren Vorgängerbau Offenbachs Vater als Chasan (Vorbeter) gewirkt hatte, wurde 1938 zerstört und beseitigt. Ja, selbst die Benennung des Offenbachplatzes vor der heutigen Oper musste 1957 gegen den Protest der FDP und CDU durchgesetzt werden: Die nämlich hielten den Wahlpariser nicht für eine prägende Figur der Kölner Kultur.
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Michael Struck-Schloen
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