Wenn du mir fremd bist, liebe ich dich
Mit seiner letzten Stuttgarter Arbeit als Dramaturg hat Klaus Zehelein, zusammen mit der erstmals in Deutschland inszenierenden flämischen Regisseurin Monique Wagemakers, zum großen Befreiungsschlag ausgeholt und ein gleichermaßen beliebtes wie missachtetes Repertoirestück, Puccinis «Madama Butterfly», von allen musikalischen Unter- wie szenischen Überforderungen befreit. Zutage tritt ein musikdramatisches Meisterwerk, das der Komponist unmittelbar nach dem Mailänder Uraufführungsfiasko 1904 als seine «am tiefsten empfundene und eindringlichste Oper» bezeichnete.
Puccinis «japanische Tragödie», so der Untertitel, hat in den letzten Jahren mancherlei Regietaten wie -untaten über sich ergehen lassen müssen: den ethnologischen Blick des Zusammenpralls zweier Kulturen, die politische Entlarvung des westlichen Kolonialismus oder die feministische Brille der zum bloßen Sexualobjekt erniedrigten Frau. Monique Wagemakers hat alle diese nicht völlig falschen Prämissen zugunsten einer radikalen Neulektüre des Stücks über Bord geworfen – eine Deutung, die, in engster Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Nicola Luisotti, Szene wie Figuren nicht aus dem Libretto, sondern konsequent aus der ...
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Man könnte sie als eine Ikone des «Musiktheaters» bezeichnen: Als 1961 der Bremer Schünemann-Verlag den berühmt gewordenen Band dieses Titels herausgab, entschieden sich dessen Verfasser, Siegfried Melchinger und Walter Felsenstein, für ein Titelbild mit dem Foto von Melitta Muszely als Violetta. Und unterstrichen damit die Bedeutung, die von dieser Sängerin für...
Eigentlich ist Wu Hsing-Kuo die Ruhe in Person. Ein scheuer Mann, in sich gekehrt, ernst. Nur selten huscht ein Lächeln über das scharf geschnittene Gesicht. Wu Hsing-Kuo scheint viel nachzudenken, über die verrückte Welt da draußen, über das Leben, über die Kunst, über sich selbst. Ein Stoiker, von dem niemand erwarten würde, dass er je aus der Haut fahren könnte....
Eine thematisch komplexe, auch komplizierte Geschichte ist es schon, die Alexander Zemlinsky im «König Kandaules» nach André Gides Drama «Le Roi Candaule» (1899) erzählt: Der König, vom Drang getrieben, sein Glück mitzuteilen, ja es mit anderen zu teilen, überlässt schließlich sogar seine geheimnisvoll-schöne Frau dem Freund für eine Liebesnacht. Bei Gide sagt er...
