Wenn du mir fremd bist, liebe ich dich
Mit seiner letzten Stuttgarter Arbeit als Dramaturg hat Klaus Zehelein, zusammen mit der erstmals in Deutschland inszenierenden flämischen Regisseurin Monique Wagemakers, zum großen Befreiungsschlag ausgeholt und ein gleichermaßen beliebtes wie missachtetes Repertoirestück, Puccinis «Madama Butterfly», von allen musikalischen Unter- wie szenischen Überforderungen befreit. Zutage tritt ein musikdramatisches Meisterwerk, das der Komponist unmittelbar nach dem Mailänder Uraufführungsfiasko 1904 als seine «am tiefsten empfundene und eindringlichste Oper» bezeichnete.
Puccinis «japanische Tragödie», so der Untertitel, hat in den letzten Jahren mancherlei Regietaten wie -untaten über sich ergehen lassen müssen: den ethnologischen Blick des Zusammenpralls zweier Kulturen, die politische Entlarvung des westlichen Kolonialismus oder die feministische Brille der zum bloßen Sexualobjekt erniedrigten Frau. Monique Wagemakers hat alle diese nicht völlig falschen Prämissen zugunsten einer radikalen Neulektüre des Stücks über Bord geworfen – eine Deutung, die, in engster Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Nicola Luisotti, Szene wie Figuren nicht aus dem Libretto, sondern konsequent aus der ...
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Das Internet spricht eine deutliche Sprache. Wer sich ein paar Tage nach dem Tod von Birgit Nilsson und Anna Moffo etwa auf der Seite www.youtube.com einklickte, der fand dort nicht nur wunderbare Videoclips diverser lange verstummter Belcanto-Größen von Ettore Bastianini bis Zinka Milanov, sondern ebenso von trauernden Fans frisch hineingestellte TV-Ausschnitte...
Nach dem «Onkel aus Boston», den Helmuth Rilling aus der Versenkung geholt und wieder aufführungstauglich gemacht hatte (vgl. OW 11/2004), gilt es nun erneut einen Repertoire-Exoten zu begrüßen: «Heimkehr aus der Fremde» heißt das «Liederspiel in einem Akt», das am 26. Dezember 1829 uraufgeführt wurde.
Man vergegenwärtige sich folgende Situation: Einhundertzwanzig...
Hamburgs neue Opernintendantin und Generalmusikdirektorin Simone Young plant für die nächsten Jahre einen umfassenderen Britten-Zyklus für ihr Haus. Sie darf dabei auf die gute Britten-Tradition der Hamburger Oper verweisen, die einst mit Günther Rennert begann. Nachdem es längere Zeit einmal um das Opernschaffen des Komponisten etwas ruhiger geworden war,...
