War was?
Anfang September nahm das Bolschoi Theater wieder den Spielbetrieb auf. Hinter der Bühne warnte ein Schild: «Es ist verboten, die Solisten zu umarmen. Bitte machen Sie keine Fotos mit dem Ensemble.» Zuvor war Russlands größtes Opernhaus für einige Monate geschlossen gewesen, seit dem späten Frühjahr wurden alle regulären Vorstellungen abgesagt, Neuproduktionen stillschweigend in die nächste Saison verschoben.
Nun aber brummte das Haus vor Aufregung: Man hatte Anna Netrebko als Zugpferd für Verdis «Don Carlo» verpflichtet, dazu den großen Bassisten Ildar Abdrazakov und Netrebkos Gatten Yusif Eyvazov. Der Medienzirkus rotierte auf Hochtouren.
Zwei Tage nach Wiederaufnahme der 2013 von Adrian Noble betreuten Inszenierung ging das Gerücht um, Abdrazakov sei positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Kurz darauf wurde Netrebko selbst ins Krankenhaus gebracht. Kaum war sie entlassen, sang sie auch schon wieder an der Scala, später auch am Mariinsky Theater in Sankt Petersburg. Unterdessen schickte das Bolschoi ein paar Mitarbeiter zum Test. Ansonsten lief alles weiter wie gehabt, Chor und Statisten agierten auf der Bühne, als sei nichts geschehen. Und mancher Star reiste gern aus dem ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Aya Makarova
Man muss es nicht als Kitsch verdammen. Doch die Verfallenheit der japanischen Geisha Cio-Cio-San an den US-Amerikaner verdient die kritische Lesart. «Madama Butterfly» ist keine Beobachtung des Exotischen durchs Fernglas. Es gibt da auch die Sichtweise der tragischen Titelheldin, die der Komponist vollkommen verinnerlicht hat. Wer ist dann aber diese Frau...
Don Juans musikalische Bühnenkarriere begann bereits 100 Jahre vor Mozart mit der 1669 im Privattheater der Adelsfamilie Colonna uraufgeführten Oper «L’empio punito» («Der bestrafte Gottlose») von Alessandro Melani (1639–1703), der seit 1667 als Kirchenkomponist in Rom wirkte. Mit ihrer deftigen Komik und expliziten Erotik ist Melanis Dramma per musica noch...
Rainer Maria Rilke hatte vermutlich seinen Hegel gerade nicht zur Hand, als er, in den «Duineser Elegien» war es, die poetische These formulierte, das Schöne sei «nichts als des Schrecklichen Anfang». Vergegenwärtigen wir uns nur einmal die Geschichte von Orpheus, dem Ursänger, und seiner geliebten Eurydike, so mag dieses Wort des Dichters zwar zutreffen. Hört man...
