Wagner total
Wagner ist anmaßend. Er beschäftigt Musiker, Regisseure, Wissenschaftler am laufenden Band. Grund dafür ist vor allem ein zwiespältiges Verhältnis zwischen Leben und Werk. Martin Geck macht in seinem neuen Wagner-Buch keinen Hehl daraus, dass es bei Wagner Ambivalenzen (um die er selbst wusste) und ungeklärte Spannungen zwischen Biografie und Opernœuvre gibt. Es ist ein Buch geworden, das seinem Autor mehrfach persönliche Geständnisse entlockt, etwa wenn er seine Schwierigkeiten mit Tannhäuser konkret benennt.
Geck hat sich jahrzehntelang mit Wagner auseinandergesetzt, und das merkt man auf jeder Seite, im Guten wie im Schlechten. Mitunter ächzt das Buch vor zu viel Wissen. Geht das? Ja, das geht. Denn die vielen (richtigen) Verweise und Zitate, die Wendungen ins Philosophische, ins Literarische machen das Wagner-Puzzle, das Geck zusammensetzen möchte, prall und praller. Wer Gecks formidable Mozart- und Schumann-Bücher gelesen hat, schätzt die virtuose Leichtigkeit, mit der er uns diese Komponisten und ihre Musik vermittelte. Doch das neue Buch kommt ungleich schwerer daher, es will oft mehr, als auf rund 400 Seiten möglich ist. Es komprimiert und setzt in seinem komplexen Anspruch ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Christoph Vratz
Puccinis Verleger Giulio Ricordi bezeichnete Pinkerton als «un mezzo lavativo americano»: ein Brechmittel. Dieses Charakterbild mag dazu beigetragen haben, dass Puccini nach der Mailänder Uraufführung «eine hasstrunkene Orgie des Wahnsinns» erlebte. Für die zweite Fassung der Oper tilgte er die verletzenden Bemerkungen Pinkertons über Japan und verwandelte ihn in...
Befreit. Gundula Janowitz sitzt in einem Stuttgarter Hotel, lächelt, kraus ist das kurze, weiße Haar, das einst, in den Sechzigern, für Promofotos hochtoupiert war. «Befreit», das Strauss-Lied hat sie oft gesungen bei ihren Liederabenden. Nun ist das Vergangenheit: 1990 hat sie ihre Opernkarriere beendet, 15 Jahre noch Liederabende gegeben. Heute sind Jurys Gundula...
Weicher Streicherklang, ein Harfenarpeggio, dann hebt er zu singen an, der geistvolle Barde: «Blick’ ich umher in diesem edlen Kreise...» Dass Christian Gerhahers erste CD mit Opernarien ausgerechnet mit Wolframs Ansprache aus Wagners Tannhäuser beginnt, ist paradigmatisch. Liedhaft, über weite Strecken unbegleitet – was könnte die Qualitäten des Baritons besser...
