Vom Süden lernen
Frau Carp, gibt es so etwas wie einen Leitgedanken, der die von Ihnen konzipierten Programme der Ruhrtriennale trägt?
Ja. Ich habe ihn «Zwischenzeit» genannt. Das ist kein Motto, sondern ein offener Begriff, der die Umbrüche, Unsicherheiten und starken gesellschaftlichen Veränderungen beschreibt, die auf uns zukommen und die wir teilweise schon erleben. Aber er beinhaltet auch die Aufforderung und die Chance, die Entwicklung mitzubestimmen und mitzugestalten – angstfrei, neugierig und produktiv.
Trauen Sie den Künsten zu, dass sie dabei behilflich sein können?
Künste wecken, wenn sie gut sind, immer eine Sehnsucht nach anderen Formen des Daseins.
Es fällt auf, dass, zumindest in Ihrer ersten Spielzeit, keine Oper auf dem Programm steht.
Es ist nicht – und war auch nie – Aufgabe der Ruhrtriennale, Repertoirewerke zu produzieren. Es gibt ja in Nordrhein-Westfalen viele Opern-, Schauspiel- und Konzerthäuser, die den Kanon pflegen. Wir sollten uns auf Dinge konzentrieren, die in diesen Häusern nicht möglich wären. Ich habe die Ruhrtriennale immer als einen Ort des Experiments empfunden, als einen Spiegel, der auch den permanenten Wandel in dieser durch Bergbau und Schwerindustrie ...
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