Vollständig

Der Musikologe und Pianist Filippo Farinelli hat mit verschiedenen Solisten sämtliche Lieder Alban Bergs eingespielt

Opernwelt - Logo

Wie aus einem Roman von Fritz von Herzmanovsky-Orlando wirkt die Spekulation, Alban Berg könnte illegitimer Schwiegersohn des legendären Kaisers Franz Joseph gewesen sein. Dass seine Ehefrau Helene die uneheliche Tochter des auch in erotischer Hinsicht betriebsamen Monarchen war, schien im Wien des angehenden 20. Jahrhunderts mehr als ein bloßes Gerücht. Auf jeden Fall gerierte sie sich zeitlebens als Schatzkanzlerin – und zwar des Œuvres ihres genialischen Gatten.

Bis zu ihrem Tod 1976 verfolgte Helene Berg ihre erinnerungskulturellen Strategien.

So ließ sie es beispielsweise kaum zu, dass die Musikwissenschaft sich an Bereiche heranmachte, die der Komponist selbst zu verdrängen suchte – etwa sein frühes Liedschaffen, das unveröffentlicht und ohne Opuszahlen lange im Schattenland der Musikgeschichte vor sich hin dümpelte.

Als Berg 1904 als Schüler zu Arnold Schönberg kam, hatte er autodidaktisch bereits mehr als ein Drittel seines um die 90 Kompositionen umfassenden Lied-Œuvres verfasst. Diese frühen Lieder schildern Bergs stilistische Reise, künden zunächst von der blühend romantischen Seele des jungen Komponisten, seiner Verbeugung vor Schubert und Schumann, führen dann zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Groteske Wucht

Die erste Szene erinnert an Johann Heinrich Füsslis Gemälde «Der Nachtmahr», ein Sinnbild schwarzer Romantik. Allerdings hockt kein Dämon auf der Brust der Schlafenden, stattdessen wacht ein Mann neben dem Bett. Es ist der Bruder, der Lucia in Marcos Darbyshires Inszenierung beaufsichtigt. In den Händen hält er ein weißes Kissen, und er hält es so, als könnte er...

Vom Eise bezaubert

Mit Oper kann er eigentlich nicht viel anfangen. Weite Bögen, scharfe Kontraste, markante Figuren, dramatische Spannung – all das, was lebendiges Musiktheater braucht, um Funken zu schlagen, ist Hans Abrahamsen letztlich fremd. Einem Komponisten, dessen Denken aus der Stille kommt, der feingliedrige Gespinste austüftelt, die nicht selten auf mathematischen...

Swissness pur

In ihrem dritten Solo-Album macht Regula Mühlemann auf «Heidi». Das fesche Coverfoto muss ironisch gemeint sein. Doch liest man Interviews mit der Sängerin, ist das alles andere als sicher. Da outet sich die aus dem Luzernischen stammende Sopranistin als «zu hundert Prozent authentisch» und verkündet, für sie sei  Franz Schubert und das damit verbundene Bild der...