Verpixelt
Einfach ein «fröhliches Schauspiel» sollteProkofjews «Die Liebe zu den drei Orangen» nach Absicht ihres Schöpfers sein. Die scharfe Lauge der Musik spricht allerdings eine andere Sprache.
Allrounder Axel Ranisch hat in seiner Stuttgarter Inszenierung der absurden Meta-Oper aus Märchen und Groteske, Masken- und Zaubertheater, Commedia dell’arte und Offenbach’scher Bouffe, in der ein Prinz erst durch Lachen von seiner «hypochondriotischen Verschleimung» geheilt wird und sich dann in drei Orangen verlieben muss, noch eins drauf gegeben und das Spiel in die digitale Rastergrafik eines fiktiven, allerdings auch schon historischen Videospiels der frühen 1990er-Jahre getaucht.
Saskia Wunschs poppig-bunte Pixelbühne wird zum magischen Ort eines gestrandeten Wracks, dessen Schornstein (mit Kinderrutsche!) aus dem Boden ragt, während im Hintergrund Till Nowaks Computeranimationen die orangene Wüste in eine wirbelnde dystopische Fantasy-Welt verzaubern. Das Kartenspiel der streitenden Magier, Truffaldinos vergebliche Versuche, dem siechen Prinzen das Schlaraffenland vorzugaukeln oder die Verfolgungsjagden mit den Bösewichtern werden zu überdimensionalen Showeffekten, in denen die Fantasie ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Uwe Schweikert
Am letzten Tag der Probenwoche im September, es ist schon spät, sagt Márta Kurtág einen Satz, der wie eine persönliche Bilanz klingt: «Für uns ist ‹Fin de partie› alles. Es geht da auch um unser Leben.» Das Leben mit György, ihrem Gatten und Gefährten seit mehr als sieben Jahrzehnten. Viel Zeit bleibt ihnen nicht: Der Komponist wird im Februar 93, die Pianistin...
Wie begehrt das Recht der ersten Nacht ist, wissen Opernfreunde nicht nur durch Mozarts «Hochzeit des Figaro». Auch unter Intendanten, Dramaturgen und Werbemenschen ist das Prädikat Ur- oder Erstaufführung sehr gefragt. Ihnen allen kann geholfen werden, nicht nur, aber besonders von Jacques Offenbach. Im Durcheinander seiner Hinterlassenschaft finden sich immer...
Nebel in dichten Schwaden. Von den Seitenbühnen, im Zuschauerraum. Im roten, grünen und blauen Gegenlicht wird das wabernde Trockeneis zu einem unergründlichen Ozean, in dem sich die Umrisse von drei Gestalten abzeichnen: Es könnte der Beginn einer «Rheingold»-Inszenierung sein. War es im Grunde auch. Ganz ähnlich hatte es 1988 im Bayreuther Festspielhaus begonnen....
