Vergnüglich
Jeder hat sein Guilty Pleasure, wie man neudeutsch zu einem Laster sagt. Genussmittel wie Alkohol fallen darunter, Lebensmittel wie Schokolade, auch wer sich wochenends auf ausgiebige Shopping-Tour begibt, ist nicht freizusprechen. Gemeint ist eben alles, was man nicht nur ab und zu, sondern regelmäßig tut, kauft und konsumiert – und das im Geheimen, weil es Dinge sind, die man vor seinen Mitmenschen ungern zur Schau stellt. Beim heimlichen Rauchen ist es nicht anders – dumm nur, wenn sich daran ein handfester Ehestreit entzündet.
Und zwar nicht, weil sich der Partner am Zigarettendunst in den häuslichen vier Wänden stören würde, sondern weil er, der Eifersüchtige, dahinter einen Nebenbuhler wittert, der unentdeckt zur Gattin schleicht.
Ermanno Wolf-Ferrari, wie sein Zeitgenosse Ferruccio Busoni gleichermaßen im romanischen und germanischen Kulturkreis beheimatet, hat darüber eine komische Kurzoper geschrieben, «Il segreto di Susanna», die das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau nun unter ihrem deutschen Titel («Susannens Geheimnis») in einer quirligen Studioproduktion zeigt. In der Beziehung von Susanne (temperamentvoll-kapriziös: Nienke Otten) und ihres sauertöpfischen ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Werner Kopfmüller
Auf Gottes Geheiß soll ein alternder Vater seinen Sohn opfern. Alttestamentarische Wucht und Gewalt eines strafenden Gottes mag man mit dem unbarmherzigen Gebot assoziieren. Doch es ist die noch viel weiter zurückreichende Macht des Schicksals der griechischen Antike, die in Mozarts jugendfrisch-kühnem Geniestreich von 1781 zunächst noch einmal beschworen wird. In...
Bühnenbilder von Karl-Ernst Herrmann bewegten sich immer «in einer unnachahmlichen Spannung zwischen den hinreißenden Details und dem großen Ganzen Schönen», schrieb Gerhard Stadelmaier 2018 in seinem Nachruf für die FAZ. Das große Ganze, meistens auch Schöne ist bekannt: Herrmanns Anfänge mit Kurt Hübner in Ulm und Bremen, die höchst individuellen (Ent-)Würfe für...
Unter den Töchtern Vincenzo Bellinis gilt sie als die unscheinbarste. Weder besitzt sie die Anmut einer Amina, Bianca oder Elvira, noch den Zauber einer Zaira oder Agnese (Kosename: Alaide); auch eignet ihr kaum das (sich ins Tragische wendende) jugendliche Unbekümmerte Giuliettas, die Sanftmut einer Imogene oder das Flammend-Heroische der schönen Norma. Beatrice...
