Vergnüglich
Jeder hat sein Guilty Pleasure, wie man neudeutsch zu einem Laster sagt. Genussmittel wie Alkohol fallen darunter, Lebensmittel wie Schokolade, auch wer sich wochenends auf ausgiebige Shopping-Tour begibt, ist nicht freizusprechen. Gemeint ist eben alles, was man nicht nur ab und zu, sondern regelmäßig tut, kauft und konsumiert – und das im Geheimen, weil es Dinge sind, die man vor seinen Mitmenschen ungern zur Schau stellt. Beim heimlichen Rauchen ist es nicht anders – dumm nur, wenn sich daran ein handfester Ehestreit entzündet.
Und zwar nicht, weil sich der Partner am Zigarettendunst in den häuslichen vier Wänden stören würde, sondern weil er, der Eifersüchtige, dahinter einen Nebenbuhler wittert, der unentdeckt zur Gattin schleicht.
Ermanno Wolf-Ferrari, wie sein Zeitgenosse Ferruccio Busoni gleichermaßen im romanischen und germanischen Kulturkreis beheimatet, hat darüber eine komische Kurzoper geschrieben, «Il segreto di Susanna», die das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau nun unter ihrem deutschen Titel («Susannens Geheimnis») in einer quirligen Studioproduktion zeigt. In der Beziehung von Susanne (temperamentvoll-kapriziös: Nienke Otten) und ihres sauertöpfischen ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Werner Kopfmüller
Der «Andere», namenlos, kommt ins Dorf, mit Esel und Pferd. Ein Krieg ist zu Ende, der die Überlebenden, so oder so beschädigt, zurückgelassen hat. Gewaltmenschen waren aufgetaucht, in dem merkwürdig deformierten Pseudo-Deutsch, das sich hier ins Französisch mischt, «Fratergekeime» genannt. Sie hatten Männer gemordet und Frauen misshandelt, hatten Lager umzäunt für...
Meiningens Intendant Jens Neundorff von Enzberg liebt es, tief und ausführlich in die Geschichte zu schauen und dann Ungewöhnliches ans Licht zu befördern. In den letzten Jahren holte er etwa «Santa Chiara» aus der Versenkung, eine Oper des kunstsinnigen Herzogs Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha, der das Theater einst zum weit über Landes- und Standesgrenzen...
Der Anfang ist geklaut. Etwas freundlicher ausgedrückt: eine Reverenz. Die fliehende Straße, verfolgt von einer Kamera, die in Windeseile ins Nichts rast, kennen wir aus dem Film «Mulholland Drive» von David Lynch. Hier, in der Halle E des Museumsquartiers, wird das Entrée allerdings anders untermalt – von der Ouvertüre zu Gounods Drame-lyrique «Roméo et Juliette»,...
