Ich hab' im Traum geweinet
Die Tonart verheißt wenig Gutes. G-Moll, das kündet (im wahrsten Sinne des Wortes) von Trübsal und Tristesse. Und so verzagt, wie Malcolm Martineau die Melodietöne des viertaktigen Vorspiels auf die Tasten tupft, gewinnt man schon einen nachhaltigen Eindruck von dem, was der Dichter wenig später beklagen wird: «Hör’ ich ein Liedchen klingen, / das einst die Liebste sang, so will mir die Brust zerspringen / von wildem Schmerzensdrang.
» Aus und vorbei ist es mit jeder Hoffnung, die Auserwählte würde sich vielleicht doch noch besinnen und die Anbetungen erhören; dem Verseschmied jedoch bleibt nichts als ein «übergroßes Weh’».
Florian Boesch formt diese Verse mit einer wohltuenden Behutsamkeit, die mehr als deutlich macht, wie tief dieser Schmerz sitzt, wie ermattet die Seele seines Alter Egos ist, wie resigniert der ganze Mensch, der hier auf die imaginäre Bühne tritt. Aber nicht erst in diesem zehnten Lied der «Dichterliebe», welches den Moment der unwiderruflichen Peripetie beschreibt und mit den erst piano, dann pianissimo zu Boden tropfenden Tränen des Klavier-Nachspiels den Umschlag in die Katastrophe nochmals unterstreicht und beglaubigt, spürt man die tiefliegende Traurigkeit; ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 36
von Jan Verheyen
Georg Friedrich Händels «Siroe, Re di Persia» ist wenig bekannt, selten gespielt – und nichts als ein altpersischer Intrigenstadel. Die Internationalen Händel-Festspiele in Karlsruhe präsentieren die Oper nun als eine veritable, durchaus interessante Ausgrabung. Wie in einem Shakespeare’schen Königsdrama entwickelt sich ein abgründiges, sexuell und erotisch...
Unnahbarkeit strahlt sie aus, die Bronzestatue Kirsten Flagstads vor dem Opernhaus zu Oslo. Als wollte die große Sopranistin sagen: «Lasst mich in Ruhe!» Diese Aufforderung kam ihr denn auch aus tiefstem Herzen. Gerichtet war sie an jene Zeitgenossen, die Fake News über sie schon zu einer Zeit verbreiteten, da diese Kategorisierung von öffentlich gemachten...
Freunde wurden sie nie. Dafür waren sie zu unterschiedlich, sowohl was ihre persönlichen wie ästhetischen Vorlieben und ihre Weltanschauung, als auch was ihr Naturell betraf. Sichtbar wird diese Differenz nicht nur auf den Gemälden, die Oskar Kokoschka von ihnen anfertigte, sondern sogar anhand der Totenmasken, die den einen, Kraus, als friedlich-sanft...
