Und fast ein Mädchen wars
Hören Sie – die Stille – kann man sie hören?» Eine Rhetorik der permanenten zweifelnden Zurücknahme oder halben Dementierung prägt das vom Komponisten stammende Libretto, sein zweites nach seinem ebenfalls an der Nederlandse Opera uraufgeführten «Orest». «Ich habe ihn geliebt – liebte ich ihn?» Vagheit, von der schon Berlioz im Hinblick auf eine neue Ästhetik der Instrumentalmusik gesagt hat, dass sie eine ungleich höhere Ausdrucksmacht besitze als klar konturierte Positivität, ist das Signum des Werks.
Nach dem schroffen, scharfkantigen «Orest» präsentiert es sich als ein lyrisches Drama der Schwebe im Horizont von Debussys «Pelléas»: Ein piano-, ja, pianissimo-Stück der feinsten Texturen, realisiert durch ein groß besetztes Orchester mit seinen zitternden Holzbläser-Staccati, seinen triolen-, quintolen- und septolengesättigten ondulierenden Streichern (noch nie habe er so viele Wechselnoten geschrieben, bekennt Manfred Trojahn) und seinen kurz aufblitzenden, meist sordinierten Blechbläsersignalen. Vage bleiben auch die Didaskalien zu den einzelnen Episoden («Der Eine ist Pluton. Er könnte ein Schaffner sein ...»), und vage ist vor allem das Dénouement, denn unklar bleibt, ob ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Klaus Heinrich Kohrs
Natürlich gibt es die silberne Rose. Und Octavian hat sie sogar dabei, auch wenn einen Aufzug zuvor der skeptische Ochs fast hineingebissen hätte. Nun also: Tusch, danach das berühmte gläserne Zerfließen der Musik – und es hebt an das linkische Spiel zwischen dem Titelhelden und der kulleräugigen Sophie, bis es in beiden emporgiggelt und sie in frivoles Gelächter...
Es kommt nicht eben häufig vor, dass ein Komponist eine frühere Oper nach 30 Jahren wiederverwendet, ja, sogar als Prequel, als Vorläufergeschichte verwendet, um ein neues Musiktheaterwerk zu hoffentlich größerem Ruhm zu führen und damit auch dramaturgisch-erzählerisch zu rehabilitieren. Im Zeichen von Leonard Bernsteins letzter Oper «A Quiet Place» aus dem Jahr...
Frau Viise, wir haben Sie erstmals 2019 bei «BAM!», dem Berliner Festival für aktuelles Musiktheater in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz erlebt. Dort brachten Sie auf einer kleinen Bühne gerade stöhnend eine Plastikpuppe auf die Welt. Was war das für ein Projekt?
Das war ein Teil der 14-stündigen Version von «DOLLS», die am Kopenhagener Teater FÅR302 als ein...
