GANZ SCHÖN FLOTT

Strauss: Der Rosenkavalier NÜRNBERG | STAATSTHEATER

Opernwelt - Logo

Natürlich gibt es die silberne Rose. Und Octavian hat sie sogar dabei, auch wenn einen Aufzug zuvor der skeptische Ochs fast hineingebissen hätte. Nun also: Tusch, danach das berühmte gläserne Zerfließen der Musik – und es hebt an das linkische Spiel zwischen dem Titelhelden und der kulleräugigen Sophie, bis es in beiden emporgiggelt und sie in frivoles Gelächter ausbrechen: hinfort mit dem altbackenen Ritual! Schon bei Strauss/Hofmannsthal ist das ja reiner Fantasie-Rokoko. Am Staatstheater Nürnberg wird es endgültig zum verstaubten Brauch.

Überhaupt hat sich Regisseur Marco Štorman Einiges vorgenommen bei seinem zweiten «Rosenkavalier» (den ersten inszenierte er 2013 in Klagenfurt). Eine Vernüchterung und Verheutigung. Eine Befreiung von allem Baiser, mit dem das Stück gern überzogen wird – wobei sich Štorman da auf Barrikaden wähnt, die längst nicht mehr stehen. Dennoch liegt er in etwa richtig: Für die emotionalen Kraftfelder braucht es weder Reifrock noch Allongeperücke. Die Figuren begegnen sich hier in kühler schwarz-weiß Optik, zwischen Klapplamellen und vor einer Neonröhrenwand. Jede Menge Aktionsmöglichkeiten bietet diese Bühne (Frauke Löffel, Anna Rudolph), die immer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
ZAUBERINNEN IN NOT

Georg Friedrich Händels mehr als 40 Opern sind ein unerschöpfliches Reservoir für Recitals. Die barocke Da-capo-Arie war eine Schablone, aber in der Hand eines Ausnahmekönners wie Händel gebot sie über unbegrenzte Möglichkeiten, einen emotionalen Seelenzustand so unmittelbar in Musik auszudrücken, dass hinter dem Gesang ein Individuum, ein Gesicht sichtbar wurde...

ÜBERFRACHTET

Vor genau 100 Jahren ereignete sich ein kulturhistorischer Donnerschlag: die Berliner Uraufführung von Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm «Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens». Vieles kam da zusammen: der schwarzromantische Vampir-Topos, die Verunsicherung nach dem Ersten Weltkrieg und last, not least eine unerhört suggestive Kino-Phantasmagorie, die bis heute...

HALLELUJAH!

Hybris tat noch keinem Herrscher gut. Auch der römische Kaiser Elagabal, der sich selbst für gottähnlich hält und seine Untertanen so lange unterdrückt, quält (und im Falle der stolzen Eritea sogar vergewaltigt), bis der Tyrannenmord, gleichsam als Ultima Ratio, unausweichlich wird, scheitert letztlich an dieser eklatanten Charakterschwäche. Hört man die Musik, mit...