GANZ SCHÖN FLOTT
Natürlich gibt es die silberne Rose. Und Octavian hat sie sogar dabei, auch wenn einen Aufzug zuvor der skeptische Ochs fast hineingebissen hätte. Nun also: Tusch, danach das berühmte gläserne Zerfließen der Musik – und es hebt an das linkische Spiel zwischen dem Titelhelden und der kulleräugigen Sophie, bis es in beiden emporgiggelt und sie in frivoles Gelächter ausbrechen: hinfort mit dem altbackenen Ritual! Schon bei Strauss/Hofmannsthal ist das ja reiner Fantasie-Rokoko. Am Staatstheater Nürnberg wird es endgültig zum verstaubten Brauch.
Überhaupt hat sich Regisseur Marco Štorman Einiges vorgenommen bei seinem zweiten «Rosenkavalier» (den ersten inszenierte er 2013 in Klagenfurt). Eine Vernüchterung und Verheutigung. Eine Befreiung von allem Baiser, mit dem das Stück gern überzogen wird – wobei sich Štorman da auf Barrikaden wähnt, die längst nicht mehr stehen. Dennoch liegt er in etwa richtig: Für die emotionalen Kraftfelder braucht es weder Reifrock noch Allongeperücke. Die Figuren begegnen sich hier in kühler schwarz-weiß Optik, zwischen Klapplamellen und vor einer Neonröhrenwand. Jede Menge Aktionsmöglichkeiten bietet diese Bühne (Frauke Löffel, Anna Rudolph), die immer ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Markus Thiel
Es ist derzeit unmöglich, Opern mit historisch-politischem Hintergrund nicht auf das Kriegsgeschehen in der Ukraine zu beziehen. Die zahlreichen Despoten von Don Pizarro bis Scarpia, von Blaubart bis Francesco Cenci, sie gleichen alle mehr oder weniger dem heutigen Kriegsverbrecher im Kreml. Verdis «Les vêpres siciliennes» führt besonders dicht an die Gegenwart...
Herr Huber, Sie sind der erste Liedbegleiter, mit dem die «Opernwelt» ein ausführliches Interview führt. Fühlt man sich vom Journalismus manchmal vernachlässigt in Ihrem Beruf?
Diese Frage wird mir fast bei jedem Interview gestellt.
Nervt sie Sie?
Nein, gar nicht. Ich glaube nur, dass man schon vor ungefähr 20 Jahren davon abgekommen ist, dass der Begleiter etwa...
Manchmal braucht es keine aufwendigen Mittel, um große Wirkungen zu erzielen. Der überlange Tisch, an dem die Figuren im schlichten Bühnenbild von Norman Heinrich einander oft starr gegenübersitzen, weckt unweigerlich die Assoziation an das zynische Verhandlungsarrangement des russischen Kriegsverbrechers Wladimir Putin. An diesem Tisch sitzt Telramund, der alte,...
