Überfällig
Ob das womöglich die beste britische Oper seit Jahren sei, fragte sich eine Rezensentin von «Opera today» 2014 anlässlich der Uraufführung von Luke Bedfords Kammeroper «Through His Teeth» im Linbury Studio an Londons Covent Garden. Wie überhaupt die Kritiker Begeisterung zeigten angesichts dieses kleinen Werks, das ursprünglich nur eine Art Beiprogramm zur «Faust»-Premiere im Großen Haus hätte sein sollen. Etwas Faustisches hat die Geschichte um den psychopathischen R.
, der zu mindestens acht Frauen gleichzeitig Beziehungen unterhielt und ihnen vorgaukelte, ein Spion des MI5 zu sein, schon: «Du lieber Gott! Was so ein Mann/nicht alles, alles denken kann!»
Klaus Simon, Gründer und Leiter der Freiburger Opera Factory (vormals: Young Opera Company), befand die Partitur für kunstvoll, klug gestrickt, und brachte die Deutsche Erstaufführung auf den Weg. Tatsächlich: Bedfords Musik im Geist der Postmoderne ist gekennzeichnet von Originalität und Pragmatik. Mit ihrer die Mittel der Filmmusik aufgreifenden Erinnerungsmotivik schafft sie suggestiv musikalische Reibungen. Bedford arbeitet zum Teil mit Vierteltonintervallen, löst aber die daraus resultierenden extremen Spannungen nach ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Alexander Dick
Auch 2016 stehen wieder drei Raritäten auf dem Spielplan des Wexford Festivals. Die erste dürfte CD-Afficionados längst bekannt sein: Félicien Davids «Herculanum» kam letztes Jahr in einer Edition des Palazzetto Bru Zane auf den Markt (siehe OW 11/2015). Uraufgeführt wurde das Stück 1859 in Paris – als einzige Grand Opéra eines Komponisten, an den man sich heute...
Die Reflexe kommen bei manchen schnell. Jaroussky, wunderbar – aber mit Solokantaten von Bach? Welcher deutsche Counter würde sich, beispielsweise, an ein Album mit französischen Vertonungen von Verlaine wagen, wie es Jaroussky so hinreißend gelang? Andererseits: Pourquoi pas? Natürlich hört man, dass Deutsch nicht die Muttersprache des 38-jährigen Sängers...
Wahre Kunst, schreibt Siri Hustvedt in einem ihrer Essays, hat die Eigenschaft, uns nervös zu machen; im positiven Sinn. Will man die Kunst Gwyneth Jones’ beschreiben, liegt man mit dieser Sentenz wohl nicht ganz falsch. Wenn die walisische Sopranistin die Bühne betrat, wurde der Zuschauer festgehalten, gebannt, zuweilen gar geblendet. Nicht erst, als sie die...
