Turteln und tratschen
Seit einer Produktion in Freiburg 1971 brauchte Maurice Yvains Erstlingsoperette «Ta Bouche» trotz Volker Klotz’ Lobeshymne im Standardwerk «Bürgerliches Lachtheater» mehr als ein halbes Jahrhundert, um erneut in einem deutschen Theater gespielt zu werden. Dabei hatte schon die Uraufführung am Pariser Théâtre Dannou 1921 eine ganze Reihe von Erfolgen nach sich gezogen. Das neue Genre der Opé-rette-légère – kein Chor, kein Ballett, einfache Dekoration – reüssierte.
Die Verbreitung in Deutschland nach der Berliner Erstaufführung wurde allerdings wegen der Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich gehemmt und in späteren Jahren schlichtweg verschlafen. Dabei feiern die Dialoge von Yves Mirande und die Gesangstexte von Albert Willemetz delikat, aber deutlich alle Vorstellungen und Vorurteile über Frankreich als Land der Liebe – es gibt den Flirt, den Seitensprung, die offene Beziehung, Trennung, Scheidung und Versöhnung. In Görlitz ist das frivole, höchst unterhaltsame Spiel nach 130 Minuten vorbei, das beschwingte Publikum danach aber um zahlreiche Ohrwürmer reicher.
Eine nicht liquide Gräfin (Yvonne Reich als vitale Matrone) und der finanziell ebenfalls klamme M. Du Pas de Vis ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Roland H. Dippel
Der Bühnenbildner, so Hugo von Hofmannsthal in seinem kleinen Essay «Die Bühne als Traumbild», «muss durchs Auge gelebt und gelitten haben. Tausendmal muss er sich geschworen haben, dass das Sichtbare allein existiert, und tausendmal muss er schaudernd sich gefragt haben, ob denn das Sichtbare nicht, vor allen Dingen, nicht existiert.» Jolanthe, die Titel - figur...
In den vergangenen Jahren sind Nikolai Medtners Werke, vor allem seine Stücke für Klavier, zunehmend aus dem Schatten der Werke seines Freundes Sergej Rachmaninow getreten. Als Liedkomponist fand Medtner bislang jedoch wenig Beachtung. Zu Unrecht, wie die Mezzosopranistin Ekaterina Levental und der Pianist Frank Peters in ihrer Gesamteinspielung der mehr als 100...
Die Namen von Robert Fürstenthal und Walter Aptowitzer sind vermutlich nur wenigen Eingeweihten ein Begriff. Beide Komponisten stammten, wenngleich sie unterschiedlichen jüdischen Milieus angehörten, aus Wien; beide mussten 1938, nach dem «Anschluss» Österreichs, ihre Heimat verlassen, um nicht in die Fänge des nationalsozialistischen Terrors zu geraten; und beide...
