Trost aus dem Jenseits
Asle und Alida sind, anders als die meisten Opern-Liebespaare, nicht aneinander gescheitert. Sie wussten sofort, dass sie zueinander gehören. Ihr Scheitern verantwortet die Gesellschaft, wenngleich sie beide große Schuld mit sich tragen. Mit einer Maria-und-Josef-Herbergssuche kurz vor der Niederkunft beginnt die Geschichte – doch der Autor will nichts hören von literarischen oder geschichtlichen Vorbilder. Die wichtigste skandinavische Liebesgeschichte der Gegenwart stammt aus der Feder von Jon Fosse und ist noch sehr jung: «Trilogien» wurde zwischen 2008 und 2016 veröffentlicht.
Den Roman in ein Musiktheater umzuwandeln, ist eine Herausforderung: Im Original kommt eigentlich keine direkte Rede vor, die Sätze flimmern wie Cirruswolken, mit opalisierenden Wiederholungen, in ununterbrochenem Erzählfluss. «Trilogien» ist eigentlich ein Kammerspiel mit Rückblenden, Tagträumen und mäandernden Gedanken. All das mit einer etwas nordisch-eigenbrötlerischen Kargheit versehen – daraus ein Libretto zu kondensieren, kann das funktionieren? Fosse, berühmt auch für seine Theaterstücke, hat die Umarbeitung für den dänischen Komponisten Bent Sørensen eigenhändig vorgenommen.
Auf der Bühne sind ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Stephan Knies
Nein, die blaue Libelle fliegt hier nirgendwo hin. Wie auch, wo sie keine Flügel hat und weit und breit kein Gewässer zu sehen ist, stattdessen aber eine schäbige, mit Kritzeleien beschmierte Häuserfront im Dämmerlicht. An der lehnt, allein, einsam und nervös rauchend, die hinzuerfundene Mutter der Füchsin. Augenblicklich wird klar, die «Libelle» (Alessia Aurora...
Dass sich eine Karotte zum Herrscher über ein ganzes Reich ausrufen lässt und dank eines bösen Zaubers so lange (leider auch miserabel) herrscht, bis sie, nun ja, welk wird: So eine Idee ist nicht untypisch für die satirische Bühnenwelt Jacques Offenbachs und seiner Librettisten. Dennoch gehört «Le Roi Carotte», vor dem Deutsch-Französischen Krieg 1869 begonnen,...
Wer schön sein will, sagt der Volksmund, muss leiden. Und wer wüsste das besser als Clorinda und Tisbe, die beiden «rechtmäßigen» Töchter Don Magnificos. Die Ouvertüre zu Rossinis Dramma giocoso zeigt sie bei morgendlichen Gymnastik-Übungen; angeleitet werden die beiden schläfrigen Damen von einem Tanzquartett, das in knappen weißen Trikots überaus gelenkig und mit...
