Tragödie und Satyrspiel
Märchen fragen nicht nach stringenter Handlungslogik, sondern nach dem tieferen Sinn und ebensolcher Erkenntnis. Sie schaffen Raum für Fantasien. Insofern passen die beiden Musiktheaterwerke, die die Oper Graz kurz nach dem neuerlichen Lockdown in einem Kraftakt an zwei aufeinander folgenden Abenden präsentierte, durchaus zusammen; auch wenn sie ihrer Entstehung und ihrer Ausrichtung nach höchst unterschiedlich sind.
Georges Bizets «Perlenfischer» von 1863 und Jaromir Weinbergers einstiger Welterfolg «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» von 1927 erzählen im Grunde schlichte Fabeln: Bizets frühe Oper ist eine Dreiecksgeschichte zweier Freunde, die dieselbe Frau liebten und die bei ihrer schicksalhaften Wiederbegegnung zu Rivalen um die zur Priesterin Berufene werden, die in ihrem Amt zur Keuschheit verpflichtet ist. Weinbergers Volksoper hingegen ist die burleske (Welt-)Reise eines einfachen, frisch verheirateten Bauern, der mit seinem Dudelsack die Menschen verzaubert, sich abenteuerlustig einem windigen, aber herzensguten Räuber anvertraut, sich zur Eiskönigin führen (und von ihr verführen) lässt und später sogar – um der Rettung der eigenen Liebe willen – in die Hölle stürzt, wo er ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Karl Harb
Es ist eine Interimslösung der besonderen Art: Die Kongresshalle des ehemaligen Nürnberger Reichsparteitagsgeländes wird für einige Jahre zum Spielort und zur Arbeitsstätte für die Beschäftigten des Staatstheaters Nürnberg. Denn das marode, im Jahr 1905 eröffnete Opernhaus am Richard-Wagner-Platz muss generalsaniert werden. Die Kombination aus Interim und...
Als Gustavo Dudamel im April 2021 zum neuen musikalischen Leiter der Opéra national de Paris ernannt wurde, verwiesen manche verwundert auf das schmale Opernrepertoire des amtierenden Chefdirigenten des Los Angeles Philharmonic. Dieses besteht vor allem aus Hauptwerken von Mozart, Verdi und Puccini, zuzüglich «Fidelio», «L’elisir d’amore», «Tannhäuser», «Carmen»,...
In seinem Buch mit dem vielsagenden Titel «Demented: The world of the Opera Diva» (London, 1984) schreibt der amerikanische Theaterhistoriker Ethan Mordden: «Die bösartigste aller Fehden zwischen zwei Diven ist eine, zu der es nie gekommen ist: die zwischen Maria Callas und Renata Tebaldi.» So muss das Vorurteil, das der «voce d’angelo» der Tebaldi die...
