Tragisches Format
Stefano Poda ist – wie sein italienischer Landsmann Romeo Castellucci oder wie Achim Freyer – Regisseur, Bühnenbildner, Choreograf, Kostüm- und Lichtgestalter in Personalunion. Seine Inszenierungen zeichnen sich durch eine strenge, genau kalkulierte Formensprache aus. Man könnte auch sagen: Er unterwirft die Werke, die er sich vornimmt, seiner eigenen Ästhetik.
So gibt es in Podas Turiner «Turandot» keinerlei China-Folklore – die Handlung spielt in einem leeren weißen Raum, die Einwohner von Peking, das Volk, auch die Vertreter der Herrschenden, tragen weiße Kleidung, selbst die Körper der Tänzerinnen sind weiß bemalt. Nur Calaf und sein Vater tragen schwarz. Im letzten Akt kehrt sich die Farbsymbolik um. Ein traumhaftes Spiel vollzieht sich so, eine Abfolge ritualisierter Aktionen.
Poda zieht sein visuelles Konzept mit bewundernswerter Konsequenz durch. Doch in dramaturgischer Hinsicht kann die Interpretation nicht durchweg überzeugen, für den Zuschauer ist sie nur bedingt nachzuvollziehen. Zum Beispiel fügt Poda den im Libretto genannten Rätseln der Turandot (die Calaf, auf einer Chaiselongue kauernd, lässig beantwortet) zahlreiche neue hinzu. Vor allem die Grundidee, die ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Ekkehard Pluta
Schon während des Vorspiels zum Prolog ist hinter einem Gazevorhang eine Albtraumszene zu erkennen: Fahles Mondlicht fällt auf eine stuckverzierte Wand, im diffusen Licht zeichnet sich eine geschwungene Treppe ab, hinten ragt die Pranke eines monströsen, echsenartigen Tieres hervor. Dann ertönt aus dem Off eine helle Evangelisten-Stimme – und aus dem...
JUBILARE
Roberta Alexander stammt aus Virginia und wuchs in einer Musikerfamilie auf. 1969 begann sie ihr Studium an der University of Michigan in Ann Arbor. Im Alter von 23 Jahren setzte sie ihre Ausbildung bei Herman Woltman am Königlichen Konservatorium in Den Haag fort. Die Sopranistin debütierte 1975 an der Niederländischen Oper in Rossinis farsa comica «La...
Die Handlung spielt in Paris, doch wäre sie nicht besser im flämischen Antwerpen, der Stadt der Juweliere und Diamantenveredler, verortet? Immerhin ist Paul Hindemiths «Cardillac», die Geschichte vom Goldschmied, der seine Produkte zwar verkauft, seine Kunden aber dann meuchlings ermordet, um sich die Kunstwerke zurückholen und allein an ihnen delektieren zu...
