Tod und Verklärung
Eine weise Entscheidung, als erste Oper im wieder aufgebauten Teatro La Fenice die «Traviata» zu bringen; das Stück hat hier Heimrecht wie kein anderes. Als Verdi es 1853 am selben Ort herausbrachte, verlangte er gemäß der literarischen Vorlage von Dumas, dass die Handlung die Gegenwart abbilden und die bigotte Standesgesellschaft seiner Zeit bloßstellen solle. Das wurde damals vom Theater nicht respektiert.
Jetzt aber nahm Regisseur Robert Carsen zur festlichen Einweihung den alten Maestro beinahe allzu ernst: Seine kranke Kurtisane muss sich durch die kaputte Welt einer drogenverseuchten Partygesellschaft schlagen. Patrizia Ciofi, die sich als Violetta Valéry zur Ouvertüre in schwarze Seidendessous gehüllt auf ihrem Arbeitsplatz, einer üppigen Bettstatt, räkelt, ist ein Eskort-Girl unserer Tage. Um das weiter zu verdeutlichen, lässt Carsen noch vor Beginn der ersten Szene eine Reihe von Freiern an Violettas Bett treten, die ihr gleichgültig Geld vor die Füße werfen. Dass auch danach aus dem trüben Himmel stetig Scheine regnen und vor der beängstigenden Fototapete eines Waldes für romantisch-herbstliches Blätterrauschen sorgen, soll wohl die Kälte des kapitalistischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In Tippetts letzter, in Deutschland noch nie aufgeführter Oper «New Year» (Neujahr) betritt die Anti-Heldin Jo-Ann laut Szenenanweisung die Bühne, «als ob sie von der Gewalt der Klänge draußen hereingeweht» wird. Die brutale, mit elektro-akustischen Effekten und reichlich Schlagwerk angereicherte Musik verebbt und weitet sich zu einer Gesangskantilene. «Safe,...
Herr Chailly, im September 2005 treten Sie Ihr Amt als Generalmusikdirektor der Leipziger Oper und Gewandhauskapellmeister an. Leipzig zählt, trotz der unbestrittenen Qualitäten des Orchesters, nicht wirklich zu den führenden Musikmetropolen. Worin besteht für Sie der Reiz?
Leipzig ist nicht irgendeine Stadt, sondern ein Ort mit einer ganz außergewöhnlichen...
Mit Fernchören und Signalen aus dem Hintergrund, mit buntem Wechsel von martialischen Trommelklängen, Klagegesängen und poetischen Verinnerlichungen schuf Bellini in «I puritani» ein akustisch vielgestaltiges Panorama. Die Kontraste hat Lorenzo Mariani in seinem Berner Regiedebüt nördlich der Alpen in gut lesbare und auch starke Bilder umgesetzt. Die Liebe...
