Tod auf dem Backstage-WC
Der Kontrast von elegischem Kolorit und einer den Sprung in die Moderne vollziehenden Burleske ist ähnlich reizvoll wie das klassische Doppel von Mascagnis «Cavalleria rusticana» mit Leoncavallos «Pagliacci». Durch die Kombination der «Cavalleria» mit dem 25 Jahre später entstandenen «Gianni Schicchi» wird das kriminologische Potenzial Italiens in Opernform weitaus vielfältiger.
Denn statt zweier relativ kurzer Stücke über mehrere Ehren- und Eifersuchtsmorde im ländlichen Raum erlebt man in Erfurt durch «Gianni Schicchi» die Erweiterung dieser affektiven Rechtsverstöße um einen im urbanen Florenz eingefädelten Erbschaftsbetrug.
Dass Regisseur Markus Dietz zum eindeutigen Verständnis von Liebesbegebenheiten gern Schwarz-Weiß-Videos einsetzt, weiß man in Erfurt seit seiner Inszenierung von Rossinis «Le Siège de Corinth». Auch in Mascagnis Oper kommt auf der Bühne von Ines Nadler mit Feuerschale zur Osternacht und einer Wand mit Neonröhren erst die ehebrechende Lola mit Turiddu ins Bild, später die sich ekstatisch am Eklat und seinen Konsequenzen erhitzende Siedlungsgemeinschaft (der von Markus Baisch vorbildlich einstudierte Chor des Hauses). Die Leute sind ärmlich. Eine solche ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Roland H. Dippel
Eines kann man dem Duo Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka gewiss kaum vorwerfen: dass sie ihr Konzept nicht beinhart durchziehen würden. Auch der dritte Teil ihres «Rings» verlegt das Bühnenwerk komplett in jenes mehrgeschossige Labor, in dem blonde oder blondierte Götter, Nachtalben, Menschen und Klone seit vielen Opernstunden an Fortpflanzungsgeschichten...
Seit einer Produktion in Freiburg 1971 brauchte Maurice Yvains Erstlingsoperette «Ta Bouche» trotz Volker Klotz’ Lobeshymne im Standardwerk «Bürgerliches Lachtheater» mehr als ein halbes Jahrhundert, um erneut in einem deutschen Theater gespielt zu werden. Dabei hatte schon die Uraufführung am Pariser Théâtre Dannou 1921 eine ganze Reihe von Erfolgen nach sich...
Mach dich doch selbst kaputt, bevor es jemand anders tut!», heißt es in einem Song des Punk-Pioniers Dieter «Otze» Ehrlich. Er selbst beherzigte dieses Motto bis zum Exzess. Vor 20 Jahren starb der Bandleader von «Schleimkeim» an Herzversagen. Sein früher Tod ist der tragische Schlusspunkt einer lebenslangen Rebellion. 1964 im Erfurter Ortsteil Stotternheim...
