TIEFE WUNDEN

Puccini: Madama Butterfly GELSENKIRCHEN | MUSIKTHEATER IM REVIER

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Sextourismus ist - leider Gottes - international, und die sexuelle Ausbeutung von Frauen trägt viele Namen. Im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen heißt sie «Madama Butterfly» und stammt aus der Feder von Giacomo Puccini. 

Die psychologisch nuancierte Inszenierung von Gabriele Rech nimmt ernst, was Puccini und seine Librettisten dem Werk (zwischen den Zeilen) eingeschrieben haben – eine große Empathie für die (verletzten) Gefühle Cio Cio Sans.

Sogar in komischen Momenten wird Fallhöhe aufgebaut, beispielweise wenn jene groteske Verwandtschaft auftaucht, die auch noch Ansprüche an die (als Geisha verkleidete) Prostituierte stellt. Die Regisseurin legt die Mechanismen des patriarchalen Systems schonungslos frei und wird vom Publikum dafür gefeiert. Stehende Ovationen auch für Ilia Papandreou, die Cio Cio San (stimmlich wie spielerisch) in vielen Facetten und Farben verkörpert: von unschuldig bis verzweifelt, von unerschütterlich liebend bis zum Zusammenbruch. Fast muss man befürchten, sie würde auf der Bühne tatsächlich wahnsinnig. Aber auch Carlos Cardoso wird gefeiert. Zu Recht, denn als Pinkerton mit kraftvollem tenoralen Schmelz ist er in weißer Admiralsuniform unwiderstehlich. ...

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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Sabine Weber

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