Tableaus mit selbstbewussten Dramen
Die Allerheiligen Hofkirche in der Münchner Residenz ist ein kultischer Ort im Doppelsinne: einerseits säkularisierter Sakralraum, andererseits neuerdings viel bespielter Konzertsaal dank traumhafter Akustik und einer besonderen Atmosphäre durch eine bei der Renovierung nach Kriegsverwüstung bewusst unfertig belassenen karminroten Ziegelstruktur.
Arnaldo de Felice präsentierte nun hier «Medusa», einen Kompositionsauftrag der Bayerischen Staatsoper, nachdem er mit der kalligrafischen Kurzoper «Akumu» 2001 den Wettbewerb «teatro minimo» gewonnen hatte.
Die Kirche wird in ganzer Länge zum Bühnenraum – mit einer Schlangenskulptur am Eingang, ausgedehntem Laufsteg in der Mitte und einem riesigen Splitter vor der Apsis: Projektionsfläche für eine zerstörte Stadt, gespiegeltes Wasser oder Schlangenhaut, deren Struktur auch den Boden prägt (Bühne und Kostüme: Jürgen Kirner). Das Publikum sitzt im Raum verteilt, die Orchestermusiker links und rechts des Stegs.
Arnaldo de Felice hat seinem Stück viele Varianten des «Medusa»-Mythos eingeschrieben und zielt letztlich auf die Entwicklung einer modernen Frau: Die Geschichte berichtet vom Schicksal eines jungen Mädchens, von Poseidon ...
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Opernwelt Januar 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Klaus Kalchschmid, Hanspeter Renggli
Als ich ihm nach der Premiere von «Die Liebe der Danae» an der Bayerischen Staatsoper 1988 gratulieren wollte, grinste er nur und winkte ab. Der Pollux, das sei eine Witzfigur und keine richtige Partie. Ganz realistisch war James King in seiner Selbsteinschätzung, und er konnte sich darüber amüsieren, dass diese Strauss’sche «Heitere Mythologie» eigentlich eine...
Er habe erstmals versucht, sich von Wagner abzuwenden, bekannte Walter Braunfels 1909 zu seiner «Prinzessin Brambilla». Die Form der Commedia dell’arte sollte alles Pathos, alle rauschhaft bezwingende Macht der Wagner’schen Musik bannen – durch ironische Brechungen und groteske Zuspitzungen. Man mag darüber streiten, ob das, mit Blick auf die «Meistersinger»,...
Wer sich an «La clemenza di Tito» wagt, Mozarts zeitgleich mit der «Zauberflöte» entstandenes «Dramma serio per musica», hat es doppelt schwer. Was tun mit einer Musik, die nur in Teilen (Arien und Accompagnati) von Mozart selbst stammt und die sich, weil seine blaublütigen Auftraggeber es aus Anlass der Krönung des österreichischen Kaisers Leopold II. zum...
