Szenische Versuche zu Verdis Frühwerk
Verdis Opern aus den von ihm selbst so genannten «Galeerenjahren», geprägt von einem patriotischen, oft kriegerischen Duktus, stellen für das heutige Musiktheater eine große Herausforderung dar, zumal in szenischer Hinsicht. Auch in Italien suchen immer mehr Regisseure Antworten jenseits illustrativer Arrangements. Drei neuere, auf DVD dokumentierte Arbeiten legen nun eine vergleichende Betrachtung nahe.
Der erste Versuch des Komponisten, ein Drama von Schiller zu vertonen, «Giovanna d’Arco», wird heute vorzugsweise konzertant gegeben.
Zu undramatisch, zu wenig schlüssig erscheint das Libretto von Temistocle Solera, der das umfangreiche Personal des Schauspiels auf fünf Rollen reduziert und dafür den Chören breiten Raum einräumt. Der englische Filmregisseur Peter Greenaway hat in Parma in Zusammenarbeit mit seiner Frau, der Videokünstlerin Saskia Boddeke, eine Inszenierung geschaffen, die in ihrer Bildkraft fasziniert und alle Bedenken hinwegfegt. Der Spielort hat auf den starken Gesamteindruck einen nicht unwesentlichen Einfluss: Die Aufführung fand nicht im Teatro Regio statt, dem eigentlichen Opernhaus Parmas, sondern im barocken Teatro Farnese (1617/18), das – im Krieg ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Ekkehard Pluta
Gletscher? War da mal was? Richtig, das waren diese majestätischen Eisgebilde, die Berglandschaften spektakulären Glanz verliehen, bevor die Menschheit begann, immer mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre zu feuern. In den 1920er-Jahren waren sie noch weitgehend intakt, ein vertrauter Anblick, so dass Ernst Křenek für seine Oper «Jonny spielt auf» einen Gletscher als...
Kapitalismuskritik, Songstil der Roaring Twenties und ein Theaterskript zwischen Kabarett und Lehrstück wie «Die sieben Todsünden», der letzten gemeinsamen Arbeit des Erfolgsduos Brecht/Weill aus dem Jahr der faschistischen Machtübernahme 1933 – kann man damit heute noch Aufsehen erregen? Nein, sagt die Regisseurin Anna-Sophie Mahler, die das halbstündige Ballett...
Wenn eine große Liebe zu Ende geht, ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Als Michele Mariotti 2007 zum ersten Mal auf das Podium im Teatro Comunale zu Bologna kletterte, um eine Probe zu Rossinis «L’italiana in Algeri» zu leiten, habe er «nicht bei Null», sondern bei «zehn unter Null» angefangen, witzelt er im Rückblick. Trotz eines Diploms in Komposition und...
