Sternstunde
Der Sturm tobt nur außen. Was gut ist. Man möchte ihn wirklich nicht erleben. Dazu lässt es das Philharmonische Orchester Ulm ordentlich krachen, blitzen und donnern. Es ist ein kosmischer, apokalyptischer Orkan, der alles und jeden wegfegt. Die Menschen haben sich in eine Schutzzone zurückgezogen, einen von Neonlicht erleuchteten Betonraum zwischen Bunker-Anmutung und Kuppelkirche. In diesem Interieur überlebt die Menschheit irgendwie und wartet auf ihren neuen Hoffnungsträger.
Otello tritt dann auch mit einem strahlenden «Esultate» auf und schwingt sich gleich am Anfang mühelos zum kräftezehrenden hohen H hinauf. Rodrigo Porras Garulo ist eine Idealbesetzung: baritonal gestützt in der unteren Lage und mit heldenhafter, blitzsauberer Höhe gesegnet, dazu in der Darstellung mit psychologischer Tiefe – ein Bild von einem Mann und ein Tenor, der weiß, was er singt.
Der Mensch wird in diesem Ambiente auf seine innere Natur zurückgeworfen. Die nutzt der in der Rangfolge übergangene Jago. Das ist kein Schurke, sondern ein mit einem Borsalino-Hut ausgestatteter Intellektueller. Kein Bösewicht, kein kleinlicher Neidhammel, sondern die amoralische Elementarkraft, die stets das Böse will ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Bernd Künzig
Ein ganzes Opernhaus zu schultern, das wäre dann wohl der nächste Schritt. Vielleicht, wenn der Kehlkopf nicht mehr richtig will. Oder der Startenor keine Lust auf das hat, was sich im Karriereherbst alles anbietet – Herodes, Aegisth, der Kaiser in «Turandot», irgendetwas in der Art. «Ein kleines Hineinschnuppern in das Genre», nannte Jonas Kaufmann sein zweites...
Es riecht. Mottenkugeln könnten das sein, doch die Nachbarn im Parkett sind’s bestimmt nicht, hier verströmt sich ja teures Parfum. Es muss wohl von vorn kommen: Es muffelt auf der Bühne. Dort, wo alles in heimeliges Sepialicht getaucht ist und eine Szenerie den ästhetischen Rücksturz in Opas Oper feiert. Alles 18. Jahrhundert: die Gehröcke der Herren mit den...
Recycling ist zweifellos eine gute Sache. Und statt Fast-Fashion-Shopping zu betreiben, sollte man von Zeit zu Zeit mal den eigenen Kleiderschrank durchforsten. Doch was für die private Garderobe gilt, empfiehlt sich nicht unbedingt für die Ausstattung einer Oper. 2021 sollten «Die Barbaren» von Camille Saint-Säens an der Oper Leipzig herauskommen. Die Produktion...
