Staunen am Stausee
Plamen Kartaloff ist ein charismatischer Mann. Schlohweißes Haar – eine luxuriöse Bräune und ein gewinnendes Lächeln im Gesicht. In der Pause der Vorstellung von Wagners «Fliegendem Holländer» lädt er den angereisten Opernkritiker zu bulgarischem Weißwein und Thunfisch-Wraps. Wir schauen direkt auf den See. Ein schöner bulgarischer Mann mit Latino-Locken schenkt ein. Was für ein merkwürdiges, schönes Land.
Über Bulgarien sind viele Geschichten im Umlauf. Ältere Semester erzählen vom Sozialismus, differenzieren sogleich aus; Schatten- und Sonnenseiten.
Der Kapitalismus sei auch keine Lösung. So findet man sich in Diskussionen mit Einheimischen bald in der erzählenden Wiedergabe von Legenden wieder, Idealkonstruktionen – und Entschuldigungen. Hier ein paar unfertige Gebäude. Hier ein paar abgewrackte Ecken. Na und? Gastfreundschaft zählt. Und die wird einem hier überall entgegengebracht.
Der See, auf den wir blicken, wurde 1956 angelegt. Der Pantscharewo-See. Eine halbe Stunde außerhalb des Stadtkerns von Sofia. Ein künstliches Gewässer, ein Stausee, umgeben von sanften Hügeln, an der einen Seite auslaufend Richtung Staumauer. In dieser Lücke wird nachher, ziemlich genau zur ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Arno Lücker
Herzog Blaubarts Burg
Die Frau, der Mann: Was soll man meckern?
Er alt, sie jung, er: sehr allein.
Die Burg: sehr kalt, es zieht herein.
Doch sie, sie meint: «Auf deinen Äckern
Zieh’n wir nun hin, lass uns jetzt spüren,
Was Liebe kann – und wie sie geht!»
Er sagt: «Okay!», sie wird konkret:
«Zeig mir, mein Schatz, nun alle Türen!»
Tür eins bis vier: nur Sadumuso.
...
Sie sang die Norma, die Lucia, die Nedda, dazu Susanna, Frau Fluth, Rosina und Tosca und viele große Rollen mehr. Sie galt als die vielleicht erfolgreichste Koloratursopranistin ihrer Zeit: Irene Abendroth. Selbst Grantler Eduard Hanslick lobte ihre sängerischen Fähigkeiten. Am 14. Juli 2022 jährte sich Abendroths Geburt zum 150. Mal. Und am 1. September 2022 ist...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Als meine Frau Stella Doufexis den Octavian im «Rosenkavalier» von Richard Strauss in der fast schon legendären Inszenierung von Andreas Homoki an der Komischen Oper Berlin gesungen hat. Jedes Mal habe ich geweint, wenn sie sang: « ... und weiß von nichts als nur: Dich hab’ ich lieb.» Dies war und ist auch das einzige...
