Sehnsucht und Erfüllung
Vor drei Jahren hat die junge Sopranistin Anna Lucia Richter ihre erste Solo-CD vorgelegt (siehe OW 3/2016). Was damals ein Versprechen war, wird jetzt mit ihrem zweiten, Schubert gewidmeten Solo-Album zur Erfüllung. Dabei macht sie es sich mit bekannten Highlights wie Goethes Mignon-Liedern, dem «Ave Maria» oder dem «Hirt auf dem Felsen» nicht leicht. Technisch kennt sie mit ihrer schlanken, perfekt geführten Stimme keine Probleme, spinnt ein makelloses Legato, dosiert die Farben ihres kühlen Timbres zurückhaltend wie erlesene Gewürze und artikuliert mustergültig.
Nie drängt sie sich als Person in den Vordergrund, findet stets den Ausgleich zwischen intellektueller Reflexion und emotionaler Verinnerlichung. Ihre Begeisterung für das dichterische Wort – ohne den Ton im Mindesten preiszugeben – ist es, die ihre Liedkunst auszeichnet und zu einem Ereignis macht.
Wie ernst sie Texte nimmt, wie tief sie sich in sie versenkt, zeigt sich gleich an den drei «Liedern der Mignon». Wirkung entsteht hier durch den Verzicht auf jede effektbetonte Expressivität. In beklemmender Ruhe, zwanghaft wie unter Trance, geradezu im Ringen um Worte (wobei jeder Ton Bedeutung besitzt), ersteht Goethes ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: CD des Monats, Seite 23
von Uwe Schweikert
Die größte Herausforderung, will man Antonio Vivaldis Oratorium «Juditha Triumphans» auf die Opernbühne bringen, besteht sicher darin, die fünf vorgeschriebenen Frauenstimmen in mittlerer bis tiefer Tessitura, die der Komponist seinerzeit für die Premiere im Mädchen-Waisenhaus Ospedale della Pietà auswählte, so charakteristisch zu casten, dass sich ihre Farben...
JUBILARE
Roberta Alexander stammt aus Virginia und wuchs in einer Musikerfamilie auf. 1969 begann sie ihr Studium an der University of Michigan in Ann Arbor. Im Alter von 23 Jahren setzte sie ihre Ausbildung bei Herman Woltman am Königlichen Konservatorium in Den Haag fort. Die Sopranistin debütierte 1975 an der Niederländischen Oper in Rossinis farsa comica «La...
Alban Berg würde sich wundern. Und vielleicht sogar zustimmen. Denn was Detlef Heusinger aus dem fragmentarisch überlieferten Material des dritten «Lulu»-Aktes gemacht hat, ist – wie die jetzt am Bremer Theater erfolgte Uraufführung dieser Fassung zeigte – eine höchst beachtenswerte, ebenso fantasievolle wie punktgenau durchdachte Alternative zu Friedrich Cerhas...
