Schwarz, weiß, grau
Kürzlich hat die Lyric Opera in Chicago einen neuen «Ring»-Zyklus gestartet, nun lässt sie mit Berlioz’ «Les Troyens» ein weiteres Opus von epischer Breite folgen. Eine echte Premiere: Das Werk war in Chicago nie zuvor zu sehen (die bislang einzigen amerikanischen Produktionen gab es in San Francisco, Boston, New York und Los Angeles). Ein Jammer, dass man nur fünf Vorstellungen angesetzt hatte, die Nachfrage überstieg bei Weitem das Angebot.
Regisseur Tim Albery bleibt auch hier seiner Neigung zu einem grauen, postindustriellen Ambiente treu.
Die Ereignisse in Troja und Karthago lässt er auf demselben Schauplatz spielen, wobei wir während der letzten drei Akte jene Stadtmauer in blitzend neuer Unversehrtheit erblicken, die in «La prise de Troie» in Trümmern lag. Albery führt die Figuren in diesem Raum mit großer Fantasie. Doch auf die Dauer wirkt die von Tobias Hoheisel entworfene Bühne etwas eintönig. Auch bei seinen Kostümen bleibt die Palette eher schmal: Von der Elite Karthagos abgesehen (deren Garderobe nach der Kleiderordnung im Merkel-Kabinett geschneidert schien), trägt alle Welt Arbeiterkluft. Das Farbspektrum changiert weitgehend zwischen schwarz, weiß, ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 37
von David Shengold
Draußen Regen. Novemberwind. Ein kalter Abend nach einem trüben Tag, grau in grau. Drinnen auf der Bühne mediterranes Chiaroscuro, hartes Dunkel durchkreuzt von flirrendem Licht, weiße Wände wie mit schwarzer Tinte bespritzt – Kontraste, scharf wie die Rapiere der Fechter, die sich mit Aggression aufpumpen gegen den nachbarlichen Feind. Aus solcher Enge quasi...
Beim ARD-Wettbewerb im September 2015 hinterließ die amerikanische Sopranistin Emalie Savoy, wie Klaus Kalchschmid in der «Süddeutschen Zeitung» berichtete, einen überwältigenden Eindruck – zum einen durch die dramatische Unmittelbarkeit ihres Singens, zum anderen durch die Leuchtkraft ihres expansiven lyrischen Soprans, in dessen Klang sich bereits eine...
Seit einigen Jahren sind Anett Fritsch und Maria Bengtsson auf vielen Bühnen der Welt in Mozart-Partien zu erleben. Es lag nahe, dass die Sängerinnen für ihre ersten Solo-Alben auf dieses vertraute Repertoire zurückgriffen. Während Bengtsson sich ganz auf die Oper konzentriert, bezieht Fritsch auch zwei Konzertarien («Bella mia fiamma» und «Misera, dove son?»)...
