Schwarz, weiß, grau
Kürzlich hat die Lyric Opera in Chicago einen neuen «Ring»-Zyklus gestartet, nun lässt sie mit Berlioz’ «Les Troyens» ein weiteres Opus von epischer Breite folgen. Eine echte Premiere: Das Werk war in Chicago nie zuvor zu sehen (die bislang einzigen amerikanischen Produktionen gab es in San Francisco, Boston, New York und Los Angeles). Ein Jammer, dass man nur fünf Vorstellungen angesetzt hatte, die Nachfrage überstieg bei Weitem das Angebot.
Regisseur Tim Albery bleibt auch hier seiner Neigung zu einem grauen, postindustriellen Ambiente treu.
Die Ereignisse in Troja und Karthago lässt er auf demselben Schauplatz spielen, wobei wir während der letzten drei Akte jene Stadtmauer in blitzend neuer Unversehrtheit erblicken, die in «La prise de Troie» in Trümmern lag. Albery führt die Figuren in diesem Raum mit großer Fantasie. Doch auf die Dauer wirkt die von Tobias Hoheisel entworfene Bühne etwas eintönig. Auch bei seinen Kostümen bleibt die Palette eher schmal: Von der Elite Karthagos abgesehen (deren Garderobe nach der Kleiderordnung im Merkel-Kabinett geschneidert schien), trägt alle Welt Arbeiterkluft. Das Farbspektrum changiert weitgehend zwischen schwarz, weiß, ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 37
von David Shengold
Wenn Figuren aus dem Textbuch steigen wie Tote aus dem Grab, wird es kompliziert. Schon dem Theaterdirektor in Luigi Pirandellos berühmter Groteske geht es so, als er Besuch von sechs Personen erhält, die ihren Autor verlassen haben und nun einen neuen suchen.
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