Schwarz, weiß, grau
Kürzlich hat die Lyric Opera in Chicago einen neuen «Ring»-Zyklus gestartet, nun lässt sie mit Berlioz’ «Les Troyens» ein weiteres Opus von epischer Breite folgen. Eine echte Premiere: Das Werk war in Chicago nie zuvor zu sehen (die bislang einzigen amerikanischen Produktionen gab es in San Francisco, Boston, New York und Los Angeles). Ein Jammer, dass man nur fünf Vorstellungen angesetzt hatte, die Nachfrage überstieg bei Weitem das Angebot.
Regisseur Tim Albery bleibt auch hier seiner Neigung zu einem grauen, postindustriellen Ambiente treu.
Die Ereignisse in Troja und Karthago lässt er auf demselben Schauplatz spielen, wobei wir während der letzten drei Akte jene Stadtmauer in blitzend neuer Unversehrtheit erblicken, die in «La prise de Troie» in Trümmern lag. Albery führt die Figuren in diesem Raum mit großer Fantasie. Doch auf die Dauer wirkt die von Tobias Hoheisel entworfene Bühne etwas eintönig. Auch bei seinen Kostümen bleibt die Palette eher schmal: Von der Elite Karthagos abgesehen (deren Garderobe nach der Kleiderordnung im Merkel-Kabinett geschneidert schien), trägt alle Welt Arbeiterkluft. Das Farbspektrum changiert weitgehend zwischen schwarz, weiß, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 37
von David Shengold
Wie kann man das ungeschriebene Gesetz umgehen, nach welchem «Cavalleria rusticana» und «I Pagliacci» unter dem Spitznamen «Cav/Pag» am selben Abend aufgeführt werden? 2012 stellte Nicolas Joel diese Praxis nicht in Frage, als Giancarlo Del Monaco die beiden Einakter an der Bastille Oper verkoppelte. Auch an der Mailänder Scala blieb Stéphane Lissner 2011 der...
Beim ARD-Wettbewerb im September 2015 hinterließ die amerikanische Sopranistin Emalie Savoy, wie Klaus Kalchschmid in der «Süddeutschen Zeitung» berichtete, einen überwältigenden Eindruck – zum einen durch die dramatische Unmittelbarkeit ihres Singens, zum anderen durch die Leuchtkraft ihres expansiven lyrischen Soprans, in dessen Klang sich bereits eine...
Die Elbphilharmonie in Hamburg, dort wo die Stadt am meisten sie selbst ist, mitten im Hafen, angrenzend an die historische Speicherstadt, ist ein aus Stein, Stahl und Glas gefügtes Paradox. Hätte man anfangs gewusst, wie teuer der Bau nun geworden ist (866 Millionen Euro), er wäre nie in Angriff genommen worden. Von der Grundsteinlegung 2007 bis zur...
