Schicksalsmelodien
Das eigene Sterben, den eigenen Tod öffentlich auszustellen, war lange ein Tabu. Inzwischen ist die (Selbst-)Darstellung des Lebensendes sogar auf dem Boulevard anzutreffen: Über Monate beherrschte in Großbritannien eine junge Frau namens Jade Goody die Medien, die durch eine britische «Big Brother»-Staffel zu zweifelhafter Bekanntheit gekommen war und nach einer Krebsdiagnose die tödliche Krankheit medial vermarktete.
Am Wochenende ihres Todes meldete sich Christoph Schlingensief – auch er sucht seit der Entdeckung einer Krebserkrankung die mediale Offensive – mit seinem aktuellen Projekt «Mea culpa» am Wiener Burgtheater zurück. Nach dem Bayreuther «Parsifal», einem «Fliegenden Holländer» in Manaus und Walter Braunfels’ «Johanna» an der Deutschen Oper Berlin unternimmt er hier einen neuen Ausflug ins Musiktheater – und präsentiert eine «ReadyMadeOper», in der sich Vorgefundenes und Neues wie in einem Pasticcio mischen.
Zweieinhalb Stunden setzt sich der Regisseur, Filmemacher und Aktionskünstler mit seinem Schicksal auseinander, zeigt mögliche Ursachen auf, karikiert Wunderheilungen (ein Ayurveda-Zentrum mit bizarrem Leitungsteam), baut Brücken ins Jenseits, das er sich so lange ...
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Der Werkkatalog Joseph Haydns in der Enzyklopädie «Die Musik in Geschichte und Gegenwart» weist – zwischen 1761 und 1791 – insgesamt 25 Beiträge zum Musiktheater auf: 19 Opern in italienischer Sprache und sechs Werke in deutscher Sprache, die der Gattung des Singspiels oder der am Hofe von Eszterhaza gepflegten Marionettenoper angehören. Bei zehn dieser Opern ist...
«Verantwortungslose Heiterkeit, die in diesem Wirrsal ein Bild unserer realen Verkehrtheiten ahnen lässt», ist nach Karl Kraus das Wesen der Operette. Das gilt auch für Witold Gombrowicz’ 1966 entstandenes Schauspiel «Operette», ein grotesk-surrealistisches Pandämonium über die Achterbahnfahrt des 20. Jahrhunderts zwischen Klassenkampf und Faschismus, zugleich aber...
