Sachwalter der Moderne

Zum Tod des russischen Dirigenten Gennadi Roschdestwenski

Opernwelt - Logo

Vom «Ende einer Ära» ist mehr oder weniger reflexhaft die Rede beim Tod einer epochalen Figur. Doch im Fall nicht weniger Musiker aus der Sowjetunion hat die Formel ihren Sinn. Brachte doch die Oktoberrevolution tatsächlich einen enormen Aufbruch in vielerlei Hinsicht; man denke nur an den Stummfilm, vor allem Eisensteins. Und in der Musik fand eine immer wieder erstaunliche Fusion von großer Tradition des 19.

Jahrhunderts und rabiatem Avantgarde-Elan statt: So stellten sich auch die prominenten Interpreten in den Dienst von politischem wie künstlerischem Fortschritt, auch wenn Restriktion und stalinistischer Terror Ernüchterung bewirkten. Gleichwohl haben neben den Komponisten Prokofjew und Schostakowitsch überragende Instrumentalisten und Dirigenten die Musik-Welt bereichert.

Nun ist der letzte Pultheros aus der Sowjetzeit gestorben: Gennadi Roschdestwenski. Hat man noch Jewgeni Mrawinski, den überragenden Doyen der russischen Orchesterchefs, erlebt, so bleibt das Bild eines Steuermanns in Erinnerung, der mit militärischer Strenge vorging – Leningrader Sachwalter Tschaikowskys, Prokofjews und Schostakowitschs. Das leicht Offiziershafte im Habitus manch russischer Musiker traf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2018
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Gerhard R. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Volltreffer

Als Peter Konwitschny vor knapp 20 Jahren in Dresden «Die Csárdásfürstin» inszenierte, war das ein großer Skandal. Bomben und Handgranaten störten mit lautem Knall eine allzu gefällige Rezeption der mitten im Ersten Weltkrieg uraufgeführten Operette. Sie explodieren auch nun wieder über den Abend verteilt in Oscar Straus’ «Der tapfere Soldat» von 1908, mit dem...

Swing mit Sinn

Giovanni Legrenzi schreibt derart affektpräzise Kurzstreckenarien, dazu nicht minder konzis knappe Rezitative, dass er geradezu den Anschein eines durchkomponierten Stils erregt. Auch sein harmonischer Tonartenplan sorgt für einen steten Fluss, der die Handlungsspannung nie abreißen lässt. Dabei fand die Uraufführung von «La divisione del mondo» bereits zum...

Alles eine Frage der Technik

Schon als Kind stand er auf der Bühne. Und schon als Teenager war ihm klar, dass er Sänger werden wollte. Anfangs dachte Michael Spyres, er sei Bariton. Der Wechsel ins Tenorfach zog sich über Jahre, doch er schaffte ihn fast im Alleingang. Learning by doing – das ist bis heute die Maxime des Generalisten aus Missouri geblieben, der sich in keine Schublade zwängen...