Preziosen
Obwohl ihre sängerische Laufbahn über vier Jahrzehnte währte und sie eine Vielzahl von Aufnahmen hinterlassen hat, ist der Name der großen kanadischen Altistin Maureen Forrester (1930-2010) wohl nur noch Kennern ein Begriff. Auf der Opernbühne hat sie nur wenige (allerdings markante) Spuren hinterlassen; ihre Welt war das Konzertpodium.
Seit der Begegnung mit Bruno Walter, die Forresters Karriere den entscheidenden Anstoß gab, war – vor allem in den Aufnahmestudios – Gustav Mahler einer ihrer bevorzugten Komponisten, daneben gibt es zahlreiche Einspielungen mit Werken von Bach und Händel. Das Klavierlied, das in den Konzerten eine wichtige Rolle spielte, ist dagegen auf Tonträgern unterrepräsentiert. Die Sammlung von Aufnahmen des RIAS Berlin aus den Jahren 1955 bis 1963, die das Label audite jetzt in ausgezeichneter Klangqualität erstmals veröffentlicht hat, füllt diese Lücke – und ruft eine Sängerin in Erinnerung, die in jeder Hinsicht eine Ausnahmekünstlerin war.
Forrester besaß einen echten Alt von ungewöhnlicher Fülle und Expansionsfähigkeit, den sie mit nahezu perfekter Technik zu führen wusste. Er spricht in tiefen wie in hohen Lagen mühelos an, bei ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: CD des Monats, Seite 25
von Ekkehard Pluta
Wenn Figuren aus dem Textbuch steigen wie Tote aus dem Grab, wird es kompliziert. Schon dem Theaterdirektor in Luigi Pirandellos berühmter Groteske geht es so, als er Besuch von sechs Personen erhält, die ihren Autor verlassen haben und nun einen neuen suchen.
Ein ähnliches Schicksal erleidet der Schriftsteller Gabriel in Arthur Lavandiers knapp zweistündigem...
Jubilare
Grace-Melzia Bumbry kam 1937 in St. Louis, Missouri, zur Welt. Nach dem Studium, u. a. an der Boston University und der Music Academy in Santa Barbara, gelang ihr rasch der internationale Durchbruch: 1960 sang sie in Paris die Amneris in Verdis «Aida» und wurde daraufhin von Wieland Wagner 1961 zu den Bayreuther Festspielen eingeladen, wo sie unter...
Schon Giacomo Puccini hätte aus Franz Molnárs «Liliom» gern eine Oper gemacht. Der Grund hierfür lag auf der Hand: Das Kleine-Leute-Milieu der «Vorstadtlegende», der machohaft rüde, dann aber doch nicht völlig schlechte Jahrmarktsausrufer Liliom und seine Braut Julie, die so stur wie hingebungsvoll hinnimmt, dass er sie schlägt – es wäre der perfekte Stoff für...
