Pluderhosen

Verdi: Falstaff
Wien | Staatsoper

Während Wien im Dezember oft in diffuses, schattenloses Grau getaucht scheint, das so manchen in Schwermut stürzt; während die meisten Menschen zu Advent, der vermeintlich stillsten Zeit des Jahres, der Depression mit unbarmherziger Betriebsamkeit beizukommen suchen, schenkt die Wiener Staatsoper zumindest den Opernfundis das Glückshormon Serotonin: Endlich ein «Falstaff», wie er ihrer Meinung nach sein soll, retro, «werkgetreu» angesiedelt in der Zeit Shakespeares und von Elisabeth I.

– etwas «für’s Publikum und nicht für die Kritiker», wie ein Blogger mit hämischer Genugtuung bemerkte. Wobei die Frage erlaubt sein darf, wie werkgetreu elisabethanisch denn nun Verdis «Falstaff»-Partitur ist.

Auf jeden Fall waren Regisseur David McVicar und sein Team – Charles Edwards, Bühne; Gabrielle Dalton, Kostüme – zu Diensten, als Dirigent Zubin Mehta darum bat, «einmal eine Produktion im originalen Stil der Falstaff-Zeit aus der Taufe heben» zu dürfen. Also sahen wir in McVicars handwerklich solider, umtriebiger Inszenierung einen Stutzer in den notorischen, Tudor-affinen Pluderhosen, die zu ihrer Zeit nicht nur reichlich Raum für allerlei dem Manne Wesentliches boten, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schmerzhaft schön

Der Applaus vom Band brandet noch vor dem ersten Akkord auf und wiederholt sich, während die Zuschauer ihre Plätze einnehmen, in einer Endlosschleife. Eva-Maria Höckmayrs Inszenierung beginnt mit dem Ende der Oper. Der letzte Vorhang ist bereits gefallen. Hinter den Kulissen verharrt die Darstellerin der Tosca im blutbefleckten weißen Kleid neben der Leiche...

Kirche und Bühne

Es ist noch nicht lange her, dass Pergolesis «Stabat mater» wie selbstverständlich zum Repertoire von Opernstars wie Mirella Freni oder Teresa Berganza gehörte und von diesen in jenem Stil gesungen wurde, den sie auch auf der Bühne pflegten. Wie eine Vielzahl von Aufnahmen belegt, ist das Werk mittlerweile zur Domäne von Sängerinnen und Sängern geworden, die...

Der doppelte Spiegel

Die Frau, wir kennen sie. Stella, der Stern. Hoffmanns Idealgeliebte. Real erscheint sie nicht, nur als Phantasmagorie, als flammende Erinnerung des Dichters. Nach ihr sucht er, aber sucht er nicht vielmehr nach sich selbst? Es ist beides. Mit der Erzählung will er ihr nahekommen. Sie zurückerobern aus den Fängen der Gesellschaft, die sie unter ihrem Applaus...