Parcours der Höhepunkte
Wenn es eine innere Verwandtschaft zwischen Oper und Kino gibt, so beruht sie nicht zuletzt auf dem Hang zum Exzessiven, Monumentalen. Zu den frühen Großmeistern zeit- und raumsprengender Formate gehörten ja nicht nur Tonschöpfer wie Hector Berlioz (etwa mit «Les Troyens») oder Richard Wagner, sondern auch Filmpioniere wie David W. Griffith («Intolerance») oder Fritz Lang («Die Nibelungen»). Das aufwändigste Projekt der Stummfilmära realisierte der französische Regisseur Abel Gance: «La Roue» («Das Rad»).
Die mit Motiven aus den antiken Ödipus- und Sisyphos-Mythen durchsetzte Familiensaga um einen Eisenbahner (Sisif), der nach einem Unfall ein Waisenmädchen (Norma) aufnimmt, gemeinsam mit seinem Sohn (Elie) aufzieht und schließlich der herangewachsenen Frau verfällt, hatte in der Premierenfassung (1923) eine Laufzeit von achteinhalb Stunden. Als «Musik des Lichts» bezeichnete Gance das in vier Kapitel («époches») gegliederte Opus, ja die Cinematografie überhaupt. Auf die (damals übliche) klangliche Grundierung durch ein Orchester wollte er aber nicht verzichten. Und der von Arthur Honegger und Paul Fosse, dem Kapellmeister des Pariser Uraufführungskinos, aus 117 Nummern montierte ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Albrecht Thiemann
Alfredo Casella (1883-1947) war ein Hauptvertreter der so genannten «generazione dell’ottanta», die sich radikal von der spätromantischen Wagner-Nachfolge wie vom italienischen Verismo abwandte und die Zukunft der Musik in der Rückbesinnung auf die alten Formen, in einem bewussten Klassizismus sah. Im Musiktheater bedeutete das eine Abkehr von mythologischen und...
Alle Beschränkung beglückt», vermerkte Arthur Schopenhauer. Er tat dies in Hinsicht auf seine Erkenntnistheorie, nicht auf den von Arnold Schönberg geschaffenen «Verein für musikalische Privataufführungen». Doch im geschärften Blick auf das Wesentliche mögen sich gemeinsame Glücksmomente ergeben – etwa in der musikalischen Bearbeitung, die Schönberg Gustav Mahlers...
Der Weg der neueren Bildung geht von Humanität durch Nationalität zur Bestialität.» Als der österreichische Dramatiker Franz Grillparzer 1849 diese düstere Prognose stellte, konnte er nicht ahnen, welch grausige Wirklichkeit diese schon ein gutes halbes Jahrhundert später gewinnen würde: «Die letzten Tage der Menschheit» sah denn auch der Wiener Satiriker Karl...
