Palimpsest

nach Shakespeare/Purcell: Richard III. an der Kammeroper Wien

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Warum spuckst du mich an?», fragt Richard die aufgebrachte Anne, die Witwe des Prinzen Edward, den er auf dem Gewissen hat. Von ihrem Speichel getroffen, hat sich zuerst der Tänzer Richard zusammen -gekrümmt, der dessen Körper darstellt. Dann der Sänger, der wohl seine Seele verkörpert. Und zuletzt reagiert eben der Schauspieler, das Sprachrohr seines Intellekts. Denn Richard III. ist an diesem Abend dreigeteilt. Oder besser: verdreifacht. Shakespeares «Richard III.

», komponiert von Henry Purcell? Als Semi-Opera, als Masque, als Schauspielmusik? Nun, ein solches Stück ist nicht überliefert und die Produktion des MusikTheaters an der Wien in der Kammeroper deshalb ein neu geschaffenes Pasticcio über den Despoten, der das Publikum zu seinem Komplizen macht. Richards «ganzes schändliches Leben und sein wohlverdienter Tod», so der Untertitel des Shakespeare-Erstdrucks, werden hier stark eingekocht und zusammen mit ausgewählten Vokal- und Instrumentalstücken Purcells und mancher Zeitgenossen gesungen, getanzt und gespielt.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht, hat sich dabei Kateryna Sokolova gefragt. Einerseits zieht die Regisseurin die Nebenrollen in einem fünfstimmigen ...

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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Walter Weidringer

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