Ohne Häkeldeckchen
Die deutsche Spieloper: ein Schmerzenskind. Sogar der ehemals so beliebte Lortzing ist mit Werken wie «Der Wildschütz» oder «Zar und Zimmermann» ein seltener Gast auf den Bühnen. Kreutzers «Nachtlager in Granada» und Nesslers «Trompeter von Säckingen» werden seit Generationen gemieden, selbst ein Meisterwerk wie Nicolais «Lustige Weiber» hat es schwer – sicher nicht nur wegen des Verdi’schen «Falstaff», der freilich in eine andere Liga gehört, wie auch Cornelius’ «Barbier von Bagdad» und Wolfs «Corregidor».
Die «echte» Spieloper bedient eine Mischung aus Leichtigkeit und Sentimentalität. Das missbehagt ambitionierten Theatermachern, die als milde Erziehungsdiktatoren auf ihr Publikum blicken oder, wenn sie schon Unterhaltung kredenzen, lieber aufs zeitgemäße Musical rekurrieren. Spieloper – das klingt nach Oma, nach Häkeldeckchen.
Hinzu kommen Aufführungsprobleme, wenn sich etwa internationale Sänger durch die deutschen Dialoge quälen. Zumindest diese Kalamität entfällt bei Friedrich von Flotows «Martha», einem durchkomponierten Stück, bei dem sich schier «natürlich» eine Nummer an die andere reiht und Arien die Handlung ebenso voranbringen wie Chöre, Duette, Quartette (alles auch ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Hans-Klaus Jungheinrich
Herr Paede, Sie sind auf Umwegen zur Dramaturgie gekommen.
Ich wollte erst Musikwissenschaftler werden, fand aber manches zu museal. In Würzburg, wo ich studierte, konzentrierte ich mich auf die zeitgenössische Musik. Dabei bin ich in die performative Richtung gerutscht, Dramaturgie war der nächste logische Schritt. Mich reizt weniger der trockene analytische...
Es ist geradezu bizarr, mit welcher Vehemenz das autoritäre Orbán-Regime den 60. Jahrestag des Oktober-Aufstands 1956 feiert. Allerdings profitieren einige etablierte Kunstsparten von der ideologischen Enteignung der historischen Ereignisse. So widerfuhr beispielsweise dem im Juli dieses Jahres verstorbenen finnischen Komponisten Einojuhani Rautavaara posthume...
Impressum
57. Jahrgang, Nr 12
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752295
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war der 08.11.2016
Redaktion
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Albrecht...
