Gehäutet: Audrey Bonnet als Jeanne d'Arc in Romeo Castelluccis Erweiterung des Stücks von Arthur Honegger; Foto: Theater/Bertrand Stofleth
Offen für alle
In der schwarzen Theaterhöhle von Jean Nouvel hat die Zukunft längst begonnen. Vor der Tür steppt die Breakdance-Szene, drinnen findet man das vermutlich jüngste Ballett- und Opernpublikum der Welt. Egal, ob Monteverdi, Strauss und Wagner oder mal wieder ein brandneues Stück läuft. Dass die Opéra de Lyon in der Stadt zwischen Rhône und Saône heute talk of the town ist, hängt nicht nur mit einer klugen, experimentierfreudigen Programmpolitik und künstlerischer Qualitätsarbeit zusammen, sondern auch mit einer beispiellosen Verankerung in der Gesellschaft.
Wie hat es das «Opernhaus des Jahres» auf die Höhe unserer Zeit geschafft?
Eindrücke vom «Tatort» und ein Gespräch mit Intendant Serge Dorny
Lyon, flussgeteilte Schönheit an Rhône und Saône, ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt für feine Seidenstoffe und seit Paul Bocuse für exquisites Essen. Den Opernaficionados aus aller Welt wurde die Stadt erst zu einem Begriff im Laufe der letzten 14 Jahre. Wofür es drei gute Gründe gibt.
Erstens: das Haus. Es ist nicht groß, aber einzigartig. Die Architektur: hochdramatisch, ein Schock. 1985 hatten die Stadtväter Lyons dem Architekten Jean Nouvel plein pouvoir gegeben für Entkernung und ...
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Opernwelt Jahrbuch 2017
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 6
von Eleonore Büning
Vor 450 Jahren kam in Cremona jener Mann auf die Welt, der – so will es die Legende – die Oper erfunden hat: Claudio Monteverdi. Sein 1607 in Mantua geschriebener «L’Orfeo» gilt als Geburtsurkunde des musikalischen Theaters im neuzeitlichen Sinn. Mit «Ulisse» (1641) und «Poppea» (1642) habe er sich als konkurrenzloser Großmeister der jungen Gattung verewigt. Doch...
Für ihre Darstellung exaltierter Frauenfiguren wurde sie oft gefeiert. Nun triumphierte Nicole Chevalier an der Komischen Oper Berlin als Medea in Aribert Reimanns gleichnamigem Musiktheater: «Ihre souveräne Beherrschung der Partie verwandelt die vokale Artistik in ausdrucksvolle Gestik und verklammert sich eng mit ihrem Spiel – und nach zwei Stunden Dauereinsatz...
Schon zu Lebzeiten stand er im Schatten Puccinis. Nicht, dass die Bühnenwerke des vor 150 Jahren, am 28. August 1867, in Süditalien geborenen Apothekersohns damals durchgefallen wären. Selbst heute kaum gespielte Opern, etwa «Siberia», des Komponisten Lieblingsstück, entfalteten um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert durchaus Wirkung. Auch weil sich mit der...
