Nicht nur Symphoniker
Auch wenn es oft nach Nebenbeschäftigung aussah, außerhalb der Instrumentalwelten von Birmingham oder Berlin: Simon Rattle war seit seinen Anfängen ein engagierter Operndirigent – wie seine Berliner Vorgänger Herbert von Karajan und Claudio Abbado. Schon der 20-Jährige dirigierte beim Opernfestival von Glyndebourne, am Pult der Bournemouth Sinfonietta, deren Assistent er war, Strawinskys «The Rake’s Progress», im Jahr darauf Janáčeks «Schlaues Füchslein».
Es folgten dort «Così fan tutte» und «Ariadne auf Naxos», später «Die Liebe zu den drei Orangen» und «Porgy and Bess» sowie der «Don Giovanni».
Zu der Zeit, als der jugendliche Wuschelkopf mit Mahlers Sechster bei den Berliner Philharmonikern debütierte, leitete er in Glyndebourne Ravels «L’enfant et les sortilèges» am Pult des London Philharmonic Orchestra. Danach «Le nozze di Figaro» und «Fidelio» sowie 2003 einen von Peter Sellars inszenierten «Idomeneo».
Die frühe Opernkarriere Rattles hatte mehr mit der historischen Aufführungspraxis Alter Musik zu tun als mit dem spätromantischen Klang der deutschen Tradition: Mozart, Strauss und Janáček, Strawinsky und Prokofjew machte Rattle mit frischen Impulsen in scharfen Konturen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Mythe lügt, meinte sinngemäß Gottfried Benn. Für Wagner-Regisseure übersetzt sich das in etwa so: Man kann alles machen, der mythologische Klempnerladen ist ein Vielzweckinstrument. Dem erfinderischen Erzählen bieten sich endlos viele Möglichkeiten, eine Fundgrube schon das Potpourri der angefangenen, abgebrochenen, fragmentierten Geschichten.
In Stephan...
Sergej Prokofjew hat seinen «Feurigen Engel» nie zu sehen bekommen. Als er 1923 in Bayern, frisch beeindruckt vom Passionsspiel Oberammergau, der Oper den letzten Schliff verpasste, fragte ihn Wladimir Mjaskowski besorgt, ob die Sache «nicht irgendwie zu religiös» sei. Prokofjew verneinte und hob die «orgiastische Finsternis» des Werkes hervor, was auch nicht...
Als Krimi-Autorin Donna Leon und Mezzo-Star Cecilia Bartoli vor einigen Jahren den italienischen Komponisten Agostino Steffani aus dem vermeintlichen Schatten der Geschichte holten, konnten sich die Steffani-Experten in Hannover gelassen zurücklehnen. Hier hatte der Cembalist und Hochschullehrer Lajos Rovatkay schon 1981 die «Capella Agostino Steffani» gegründet,...
