Grenzen des Schöngesangs
Als Herbert von Karajan einst in Salzburg «Falstaff» und «Il trovatore» auf die Bühne brachte, warf man ihm vor, gegen den «Geist» der Festspiele zu verstoßen. Tempi passati: Als Anna Netrebko im August an der Salzach für die Titelpartie einer konzertanten Aufführung von Puccinis «Manon Lescaut» auftauchte, wurde auf dem Podium des Großen Festspielhauses ein kleines Wohnzimmer frei gemacht für die weit ausladende, kristallbestickte Robe der Diva – als ob die Festspiele wieder nach einer im Starkult sich erfüllenden Symbiose von Kunst und Kapital suchten.
Für dessen Zinsen soll nun der Mitschnitt ebenso sorgen wie die kurz zuvor unter dem Titel «Verismo» veröffentlichte CD; diese enthält bereits den vierten Akt der Oper: zwar unter einem anderen Maestro, dem differenzierter dirigierenden Antonio Pappano, aber mit demselben Partner: Yusif Eyvazov.
Dass der aserbaidschanische Tenor neuer Ehemann der Primadonna ist, wurde kritischer kommentiert als seine ungelenke Darbietung von Des Grieux’ «L’amor ... Tra voi belle». Vermutlich hätte der junge Franzose Benjamin Bernheim, der sich in der ersten Szene als Edmondo glänzend in Szene setzt, die kurze Arie eleganter ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Jürgen Kesting
Draußen Regen. Novemberwind. Ein kalter Abend nach einem trüben Tag, grau in grau. Drinnen auf der Bühne mediterranes Chiaroscuro, hartes Dunkel durchkreuzt von flirrendem Licht, weiße Wände wie mit schwarzer Tinte bespritzt – Kontraste, scharf wie die Rapiere der Fechter, die sich mit Aggression aufpumpen gegen den nachbarlichen Feind. Aus solcher Enge quasi...
Zu fragmentarisch ist Welt und Leben, / Ich will mich zum deutschen Professor begeben; / Der weiß das Leben zusammenzusetzen, / Und er macht ein verständliches System daraus. / Mit seinen Nachtmützen und Schlafrockfetzen / Stopft er die Lücken des Weltanbaus.» Ohne anklägerisches Pathos hat Heinrich Heine, grimmig ironisch, die große Vergeblichkeit skizziert,...
Die Uraufführung der «Leggenda di Sakùntala» von Franco Alfano hatte sich das Teatro Comunale in Bologna gesichert – man schrieb den 10. Dezember 1921. Gut zwei Jahrzehnte später gingen die Partitur und das Orchestermaterial in Flammen auf, als alliierte Bomben das Archiv des Verlagshauses Ricordi in Mailand beschädigten. Nach 1945 rekonstruierte Alfano eine...
