Menschenfischen an der Alster
In Hamburg, so darf man wohl sagen, hat der ambitionierteste Wiederbelebungsversuch der jüngeren Operngeschichte begonnen.
Zu retten ist ein Haus, das zuletzt in Lethargie versank, das selbst bei einer Strauss-Oper wie «Ariadne auf Naxos» schwach besuchte Vorstellungen zu beklagen hatte (da mochten noch so bekannte Namen wie Kent Nagano, Dmitri Tcherniakov und Anja Kampe auf dem Besetzungszettel stehen), das mit Unsuk Chins Oper «Die dunkle Seite des Mondes» im Juni den größten Uraufführungs-Unfall der letzten Zeit zu verantworten hatte – und das mit all dem weit weg war von den Ansprüchen, die die Hamburgische Staatsoper in früheren Jahren geprägt hatten.
Die Ersthelfer (zugleich auch die Zweit- und Dritthelfer) sind der Regisseur Tobias Kratzer, der erstmals einen Intendantenposten übernimmt, und Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber, der zuletzt an der Volksoper Wien als Musikdirektor tätig war. Ein 400 Seiten dickes Programmbuch haben sie für die Spielzeit auf den Tisch gewuchtet, einen Premierenplan präsentiert, der abgesehen von Rossinis «Barbiere» die Blockbuster des Repertoires links liegen lässt. Neue Formate wurden erfunden, um die Repertoire-Vorstellungen aus der ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Clemens Haustein
Diese Uraufführung Ludger Vollmers und seiner Librettistin Jenny Erpenbeck, entstanden nach dem verzweifelt um seinen Fortschrittsoptimismus kämpfenden, schließlich abgebrochenen Roman-Epos Werner Bräunigs und mit beträchtlichem Aufwand als eines der Zentralereignisse des Chemnitzer Kulturhauptstadt-Jahres vorbereitet, war ein großer Erfolg. Da allerdings mancher...
Der Satz hat Format und einige dialektische Würze. «The past is never dead. It’s not even past». So steht es in William Faulkners 1951 erschienenem Roman «Requiem for a Nun». Auch Detlev Glanert und der Librettist Reinhard Palm stellen diese philosophisch klugen Worte in deutscher Übersetzung («das Vergangene ist niemals tot, es ist nicht einmal vergangen») dem...
Édouard Lalos «Le Roi d’Ys» gehört gemeinsam mit Ernest Reyers «Sigurd» (1884), Emmanuel Chabriers «Gwendoline» (1886), Vincent d’Indys «Fervaal» (1897) und Ernest Chaussons «Le Roi Arthus» (1903) zu den wichtigsten, im Banne des Wagnérisme stehenden Opern des französischen Fin de Siècle. Der bretonische Sagenstoff und seine (in Lalos Bearbeitung zwischen...
