Melos mit Sliwowitz
Und die Moral von der Geschicht’: Auch wenn die Karriere lockt (und vielleicht ein anderer Mann), auch wenn die Fremde Neues und Aufregendes überm Tellerrand verheißt – am schönsten ist es doch im Dorf bei Franjo. Wo es munter trachtelt und fröhlich Sonne, Blumen und Wälder besungen werden. Lange vor dem Urknall der Emanzipation ist dieses Stück entstanden, wie so vieles in der Opern- und Theaterhistorie.
Hochmütiges Lächeln verbietet sich also, obgleich der Belcanto wenigstens einen dunklen Schritt weiter war: Als Ausweg aus dem Machismo wählte der für seine Protagonistinnen wenigstens Wahnsinn oder Mord.
Minka käme gar nicht auf die Idee. Sie ist die titelgebende «Nachtigall von Gorenjska» und so etwas wie eine slowenische Volksheldin, wenn man den Beteuerungen der Oper Graz glaubt. Der gut 90-minütige, hier pausenlos gespielte Dreiakter ist die Nationaloper des Nachbarlandes, eine Art slowenische «Verkaufte Braut». Komponiert hat den klingenden Heimatfilm Anton Foerster (1837–1926), ein gebürtiger Böhme, der in Prag studierte, als Chorleiter und Organist in Kroatien arbeitete und schließlich in die slowenische Hauptstadt Ljubljana weiterzog, wo er 40 Jahre lang lebte, schrieb ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Markus Thiel
Schon Hermann Bahr wusste es: «Was zieht im Theater? Was den Frauen gefällt. Was gefällt den Frauen? Was von ihrer Sache handelt. Was ist ihre Sache? Was sie Liebe nennen.» Zwar galt die ätzende Bemerkung des Schriftstellers und Kritikers der Komödie «Candida» von George Bernard Shaw, doch darf man sie durchaus auch auf die Operette beziehen, als aphoristisches...
Jeder hat sein Guilty Pleasure, wie man neudeutsch zu einem Laster sagt. Genussmittel wie Alkohol fallen darunter, Lebensmittel wie Schokolade, auch wer sich wochenends auf ausgiebige Shopping-Tour begibt, ist nicht freizusprechen. Gemeint ist eben alles, was man nicht nur ab und zu, sondern regelmäßig tut, kauft und konsumiert – und das im Geheimen, weil es Dinge...
Dass sie sich zu wenig auf die gegenwärtige Wirklichkeit einlassen, wirft man den Stoffen aktueller Opern mit Recht vor. Aber das gilt nicht für die Stücke, die für Jugendliche geschrieben und komponiert werden. Manch älterem Zuschauer rauchte gewiss der Kopf über das, was an bunten, grell-poppigen Bildern und Klängen pausenlos auf ihn einstürmte bei der...
