Mark Andre: «wunderzaichen»
Die post-moderne Erfahrung der Wahrheit ist eine ästhetische Erfahrung», erklärte vor beinahe dreißig Jahren der italienische Philosoph Gianni Vattimo in seinem viel rezipierten Buch vom «Ende der Moderne». Er vertrat auch die These, dass sich mit dem Ende des Jahrtausends das Abenteuer des metaphysischen Denkens seinem Ende zuneige. Doch es gibt Komponisten wie den 1964 in Paris geborenen Mark Andre, der im Tosen der Neuen Musik für spirituelle Stille steht.
Das verschaffte seiner Oper «wunderzaichen», die im März an der Staatsoper Stuttgart unter der Leitung von Sylvain Cambreling uraufgeführt wurde, schon im Vorfeld große Aufmerksamkeit. Das Libretto hat Andre mit dem Dramaturgen Patrick Hahn unter Einbeziehung von Texten aus der Bibel, der jüdischen Mystik, des französischen Philosophen Jean-Luc Nancy und von Johannes Reuchlin verfasst. Der in Pforzheim geborene Humanist Reuchlin (1455–1522), begraben in der Stuttgarter Kirche St. Leonhard, war neben Erasmus einer der bedeutendsten Theologen und Denker jener Zeit und überdies einer der ersten deutschen Gelehrten, die sich mit der Kabbala, überhaupt dem Judentum und der hebräischen Sprache beschäftigten. Sein Traum, das gelobte ...
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Opernwelt Jahrbuch 2014
Rubrik: Uraufführungen des Jahres, Seite 44
von Götz Thieme
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