Magische Momente
Zwei Frauen. Sie sind einander nie begegnet, waren aber für die jeweils andere fast ein Leben lang allgegenwärtig: Queen Elizabeth I. und Maria Stuart, Königin von Schottland. Friedrich Schiller zwängte die beiden Herrscherinnen in seinem fünfaktigem Trauerspiel (das den Namen der nur scheinbar Unterlegenen trägt) auf eine Bühne, und auch der australische Komponist Brett Dean lässt die ihrem Wesen und Charakter nach so unterschiedlichen Kontrahentinnen in seiner Oper «Of One Blood» in einem Raum schonungslos zusammenprallen – nicht ohne Grund: Durch beider Adern floss blaues Tudor-Blut. Das Libretto von Heather Betts konzentriert sich auf die letzten Jahre im Leben Maria Stuarts und auf die Frage, wie sich eine Frau fühlt, die ihre stärkste Widersacherin zum Tode verurteilen kann, soll und eigentlich auch muss. Deans Musik bildet das in irisierender farblicher Vielfalt und einer stark pulsierenden rhythmischen Energie ab. Gleiches gilt für die Münchner Uraufführungsinszenierung: Sie legt den Kern der «Geschichte» offen.
Herr Dean, wenn man Ihre offizielle Biographie liest, dann kamen Sie sozusagen mit der Bratsche im Arm in Australien auf die Welt und wurden sofort Mitglied der Berliner Philharmoniker. Da muss es ja noch ein paar Zwischenstufen gegeben haben. Warum aber haben Sie gerade dieses Instrument gewählt?
Ich habe in Brisbane, meiner Geburtsstadt, mit der Geige angefangen. Da meine Lehrerin selbst Bratschistin war, hat sie ziemlich früh erkannt, dass die Bratsche vielleicht zu mir passen würde.
Auch meine Zeit im Australian Youth Orchestra war sehr wichtig, wo ich Heather, meine Frau, kennengelernt habe. Sie ist in erster Linie bildende Künstlerin, hat aber in jungen Jahren auch Bratsche gespielt und wurde jetzt die Librettistin meiner Oper «Of One Blood».
Wie muss man sich als Europäer das australische Ausbildungssystem vorstellen?
Ich finde die Ausbildung in Australien immer noch erstaunlich vielseitig. In Deutschland später schien mir manches enger. Die Interessen waren hier eher auf das Instrument gerichtet. Man lernte viel, um gut auf ein Probespiel vorbereitet zu sein, aber nicht unbedingt, um sich ein breites Repertoire anzueignen. Es gab unter den Lehrern natürlich Ausnahmen. Ich ...
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Opernwelt Jahrbuch 2026
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 28
von Lotte Thaler
Der Weg zum Hit ist steil. Einige Treppenstufen sind zu überwinden, von der Unterbühne bis hinauf zum Opferstein. Und dann dieses weite blaue, sturzgefährliche Gewand: Als Elena Stikhina endlich oben angekommen ist, auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters, gibt es noch immer keinen Grund zur Erleichterung: «Casta Diva», ultimatives Signet-Stück der großen...
Liebe Frau Marton, wissen Sie noch, was Sie am Abend des 3. November 1976, also ziemlich genau vor 50 Jahren, gemacht haben?
Oh, da muss ich kurz überlegen. Ich glaube, ich habe in New York gesungen, an der Metropolitan Opera – das Evchen in Wagners «Meistersingern».
Evchen? Im Original heißt die junge Dame so wie Sie!
Das ist richtig. Aber ich nenne sie Evchen,...
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Silvia Adler
DARMSTADT
Opernwelt
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