Märchenstunden
Authentizität ist ein schwieriger Begriff in kulturellem Kontext. Wagners «Fliegender Holländer» am Wasser vor vorübersegelnden Schiffen, «Die Meistersinger von Nürnberg» unter der Nürnberger Kaiserburg, Rossinis «Barbier» nicht nur von Sevilla, sondern sogar in Sevilla … - als Marketinginstrument mag das immerhin gelegentlich funktioniert haben.
Oder soll es doch die Aufführung nicht am Ort der Handlung, sondern gleich der Uraufführung sein, wo möglichst noch originale Vorhänge für Rührung sorgen? Deutlich häufiger lässt sich dem Instrumentarium der Zeit begegnen, inzwischen sogar bei Opern des 19. Jahrhunderts. Etwa wenn Concerto Köln im Verein mit dem Dresdner Festspielorchester, dirigiert von Kent Nagano, derzeit den «Ring» auf (teilweise nachgebauten) Instrumenten aus Wagners akustischem Dunstkreis realisiert. Während bei Orchestern mit modernem Instrumentarium in Rezensionen wenigstens gern mal vom «alten warmen Klang» (Staatskapelle Berlin) oder einem «authentischen Schostakowitsch-Sound» (Berliner Konzerthausorchester) die Rede ist.
Schon vor einigen Jahren hatte «Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg» in einer Inszenierung des damaligen Meininger Intendanten Ansgar ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Arno Lücker
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Richard Straussens «Elektra» ist zwar, der monströsen Musik zum Trotz, ein kompaktes Werk; dass es aber ausgerechnet in einem Ausweichquartier zu einer seltenen Kraft und Durchdringung kommt, war so nicht zu erwarten. Der Regisseurin Nina Russi und dem Dirigenten Enrico Calesso gelingt dieses eigentlich gar nicht so kleine Musiktheaterwunder in der Theaterfabrik...
