Lustvoll vergeigt
Der Abend ist Legende: Sagenhafte 29 Jahre und 369-mal lief Walter Felsensteins Inszenierung des «Ritter Blaubart» an der Komischen Oper Berlin. Jetzt ist sie, knapp ein Vierteljahrhundert nach ihrer Absetzung, als Remake am Staatstheater Cottbus wieder aufgetaucht. Damit setzt sich das Haus an die Spitze eines Trends, dem 2017 auch die Salzburger Festspiele sowie die Oper Lyon mit Wiederaufnahmen historischer Inszenierungen von Karajan, Ruth Berghaus, Heiner Müller und Klaus Michael Grüber folgen.
Über Sinn und Zweck solcher Auseinandersetzungen mit den Klassikern lässt sich trefflich sinnieren. Man kann danach trachten, mit unveränderten Aufführungen den Beweis zu führen, dass ihre Ausstrahlungskraft ungebrochen fortwirkt. Oder aber man fasst eine historische Inszenierung als «Werk» sui generis auf, das sich wiederum eigenständig interpretieren lässt.
Steffen Piontek, der im Programmheft als Regisseur genannt wird, scheint Letzteres im Sinn gehabt zu haben, wenn er von einer «lustvollen Verbeugung» vor dem Felsenstein’schen Original spricht. Was jedoch auf der Bühne zu sehen ist, löst dieses Versprechen nicht ein. Zwar sind die Kostüme der Höflinge um eine Epoche ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Carsten Niemann
Schottisches Hochland auf der Leinwand – gemalt, bühnenfüllend. Von der Seite nähern sich drei schwarze Gestalten mit leichenblassen Masken: die Hexen. Ihre langen, knöchernen Finger deuten nach vorne, in die Zukunft. Paukengrollen. Die Gestalten verschwinden. Sie werden wiederkommen – und das Unheil mit ihnen.
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