Loblied auf die Liebe
Die Verwirrungen der Liebe, sie sind enorm in diesem Stück. Doch der moralische Kommentar der Autoren bleibt aus. Nur der kleine Satyr kommentiert das Geschehen mit verschmitzter Außensicht: «Pazzi quei, ch’in Amor credono». Sind nicht all jene, die Amor vertrauen, Verrückte? Vermutlich schon. Und insbesondere die Frauen bekommen ihr Fett ab. «Così fan tutte» wird vorweggenommen, die Figur des Satirino zum Modell für Despina.
Erstaunliche 139 Jahre vor Da Pontes und Mozarts «Schule der Liebenden» schicken Giovanni Faustini und Francesco Cavalli ihr Publikum in die sexuelle Nachhilfestunde und singen ihr Loblied auf die Liebe, den Hedonismus und auf die Sprengung aller gesellschaftlichen Sittengrenzen. Möglich machte all das der libertinäre Geist im Venedig von 1651 – und bescherte der Musikwelt das Wunderwerk eines künstlerischen Traumpaares. Die herrlichen, sich munter reimenden Verse von Faustinis Librettos haben so gar nichts barocktypisch Verschwurbeltes, sie kommen direkt zur Sache und sind Grundlage für Cavallis variable Komposition mit ihren Wechselbädern aus Recitar cantando, Arien, Duetten, volksnahen Liedern und Tänzen.
Erstaunlich nur, dass die Premiere am ersten Haus ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Peter Krause
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich bin gerne im Ruhrgebiet unterwegs. Über die spezielle «Schönheit» dieses «Landstrichs» brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Nur so viel: Es gibt auch hier Schönheit(en)!
Neulich war ich aus diesen und anderen (ja, richtig: beruflichen!) Gründen in Gelsenkirchen, bei einem «Otello» von...
Den meisten deutschen Musikliebhabern dürfte der Name Spyridon Samaras nichts sagen. Dabei war der 1861 auf Corfu geborene Komponist und spätere Schöpfer der griechischen Nationalhymne zu seiner Zeit auch jenseits der Heimat ein berühmter Mann. In Athen und später in Paris (u. a. bei Léo Delibes) ausgebildet, begann Samaras seine Karriere in Italien, wo er sich mit...
Das Glück ist eine zarte Pflanze. Fragil ist es, stetig in Gefahr, geknickt zu werden und denjenigen, der es gerade noch in Händen zu halten glaubte, in die Verzweiflung zu treiben. Und wenn einer weiß, wie sich das anfühlt (und wie man davon in leidenschaftlichsten Tönen singt), dann ist es Jaufré Rudel, jener sagenhafte Troubadour, dem die Frauen hundertfach zu...
