Loblied auf die Liebe
Die Verwirrungen der Liebe, sie sind enorm in diesem Stück. Doch der moralische Kommentar der Autoren bleibt aus. Nur der kleine Satyr kommentiert das Geschehen mit verschmitzter Außensicht: «Pazzi quei, ch’in Amor credono». Sind nicht all jene, die Amor vertrauen, Verrückte? Vermutlich schon. Und insbesondere die Frauen bekommen ihr Fett ab. «Così fan tutte» wird vorweggenommen, die Figur des Satirino zum Modell für Despina.
Erstaunliche 139 Jahre vor Da Pontes und Mozarts «Schule der Liebenden» schicken Giovanni Faustini und Francesco Cavalli ihr Publikum in die sexuelle Nachhilfestunde und singen ihr Loblied auf die Liebe, den Hedonismus und auf die Sprengung aller gesellschaftlichen Sittengrenzen. Möglich machte all das der libertinäre Geist im Venedig von 1651 – und bescherte der Musikwelt das Wunderwerk eines künstlerischen Traumpaares. Die herrlichen, sich munter reimenden Verse von Faustinis Librettos haben so gar nichts barocktypisch Verschwurbeltes, sie kommen direkt zur Sache und sind Grundlage für Cavallis variable Komposition mit ihren Wechselbädern aus Recitar cantando, Arien, Duetten, volksnahen Liedern und Tänzen.
Erstaunlich nur, dass die Premiere am ersten Haus ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Peter Krause
Ruggero Leoncavallos «Pagliacci» – hierzulande besser bekannt als «Der Bajazzo» – ist im Grunde ein Stück Meta-Verismo, nein: fast schon zitatreiche Postmoderne (nur mit Authentizitätsfeeling). Da sich der Verismo um 1900 per se anschickte, glaubhaftere Stoffe von der Straße zu erzählen, darf der unförmige Tonio im «Pagliacci»-Prolog sogleich herrlich pathetisch...
arte
05.12. – 17:40 Uhr
Concerto per Milano
Es ist eine Institution: Jeden Sommer wird das «Concerto per Milano» auf dem Platz vor der prächtigen Kulisse des Mailänder Doms aufgeführt – bei freiem Eintritt. Die Filarmonica della Scala di Milano unter Chefdirigent Riccardo Chailly spielt Tschaikowskys «Capriccio italien» op. 45 und die erste Suite aus dem Ballett...
Es ist der 19. Januar 2004, der gemeinhin als Datum einer neuen Gruberová-Zeitrechnung gilt. Sicher, da war noch immer das technische Wunderwerkzeug, das sie in der Premiere von Donizettis «Roberto Devereux» vorführte. Die Tonfontänen, die sie bis in die Stratosphäre schoss. Die Klangfäden, silberfein leuchtend, endlos lang gesponnen und doch so reißfest. Überhaupt...
