Lichtschneisen in eine neue Zeit
Die Musik kommt aus dem Nichts. Eine aufsteigende Quinte der tiefen Streicher, dann ein Ganzton. Sehr leise beides, sehr legato und très modéré. Die Bewegung wiederholt sich. Holzbläser treten dazu: synkopisch sanft angestoßene Akkorde, mehr kreisend als zielgerichtet. Abbruch. Von fern grollt die Pauke. Dann ein neuer Start, die gleichen Töne, nur heller, höher, konturierter. Das Ohr sieht etwas besser, dennoch bleibt der Klangraum dunkel. Und dann plötzlich dieses Weinen. Ein einzelner starrer Ton der Oboe, eine zarte Seufzergeste. Es ist das Erste, was wir von Mélisande hören.
Warum weint sie?
In Essen zieht uns ein blauer Portalschleier ins Geschehen. Er lichtet sich langsam – wie die Musik. Mélisande weint mit dem ganzen Körper, stark und stumm. Sie steckt in einem hellen, hochgeschlossenen, schuppenartigen Kleid. Eine Meerjungfrau könnte sie sein, die gerade schmerzvoll Mensch geworden ist. Sie ist groß und blond und scheu, ihre Sinnlichkeit unbewusst. «Fasst mich nicht an», sagt sie. Ein Stück Natur. Ein Trauma. Ein Rätsel.
In Frankfurt steht Mélisande in einem hellen Spotlight. Sie weint nicht, sondern fingert nach ihrem Feuerzeug. Sie braucht einen Joint. Sie steckt in ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Stephan Mösch
Immerhin. Man hält's im Hause des reichsten Mannes von Wien – wie wahrhaftig auch immer – mit der aktuellen Kunst. Man gibt eine Oper in Auftrag, wenn man sie auch später verstümmelt, und auf Tilo Steffens’ Bühne zu Ariadne auf Naxos erblicken wir hinten, hoch oben in der Festloge, den Haushofmeister, in Klimts Jugendstilmalerei vertieft. Wie man mit den...
Andrea Breth mit La Traviata
Es kommt nicht oft vor, dass Andrea Breth Opern inszeniert. Und wenn, dann muss das gesamte Umfeld stimmen. In Brüssel hat sie diesbezüglich bei Katja Kabanova gute Erfahrungen gemacht. Nun bringt sie dort Verdis La traviata heraus. Ein Stück nach Wunsch.
Franz Josef Selig
ist ganz ohne Frage einer der führenden Bassisten unserer Zeit....
Wie alle wahren Genies ist Mozart immer auch Kind geblieben. Die Tiefe und Überfülle seiner Kunst hat viel damit zu tun, dass er das Staunen nie verlernt hat. Ein Staunen, das nicht urteilt, sondern verstehen will. Die Welt. Sonne, Mond und Sterne. Vor allem aber den Menschen, das rätselhafteste, faszinierendste Wesen der Schöpfung. Wer sind wir? Wo stehen wir? Was...
