Lange nicht gelüftet
Im Internet liest sich das alles vielversprechend. Die Frage habe ihn immer fasziniert, schreibt Csaba Káel, der Regisseur von Carl Goldmarks «Königin von Saba» an der Budapester Staatsoper im Erkel-Theater, was geschehe, «wenn voneinander abweichende Kulturen bzw. deren Vertreter aufeinander treffen ...» Seit Ungarns prekärer Rolle in der gegenwärtigen Flüchtlingskrise hat sich eine solche Fragestellung zweifellos noch verschärft. Doch zum einen schrieb Káel dies, als es noch kaum Anzeichen des in diesem Herbst plötzlich über Europa hereinbrechenden Flüchtlingstrecks gab.
Zum anderen schiebt der Regisseur die Antwort auf die oben gestellte Frage mit dem Satz, «das beste, friedlichste und zugleich wirksamste Mittel des Gedankenaustauschs, der Diskussion ist die Kunst» in die Ecke des Artisanats, nämlich in die des Fin de Siècle. «Uns fasziniert immer noch ein Jugendstil-Lüster oder ein Möbelstück, das Merkmale des orientalischen Stils enthält und dabei die Formkultur der Zeit wahrt ...» Und so gefällt sich seine Inszenierung denn auch im vordergründig Dekorativen, als Konzert im Jugendstil-Kostüm.
Goldmarks zwischen Meyerbeer und Wagner changierende Erstlingsoper wurde 1875, vor 140 ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Gerhard Persché
Nicht dass er unzufrieden wäre mit seiner Karriere. Aber eine Sache wurmt Mariss Jansons schon: Oper, die hätte er gern häufiger dirigiert. Vieles spielt da eine Rolle. Gewiss sein Herzinfarkt 1996 während einer «Bohème», aber auch sein Hang zum Kontrollator – der 72-Jährige fühlt sich unwohl, wenn er nicht Herr selbst der kleinsten Dinge ist. Im aufwendigsten...
Das ist keine Prahlerei, das ist ein Liebesgeständnis: Der Dirigent Michael Schønwandt kennt «Maskarade» von Carl Nielsen auswendig – und zwar «seit ich zehn Jahre alt bin», erzählte er Ende April bei dänischem Bier im Kopenhagener «Tivoli». Und wie man Nielsen im Orchester spielen muss, hat er bei der Gelegenheit auch erklärt: «Nicht zu dick. Dann klingt er wie...
Wiederholt haben Regisseure gezeigt, was man aus den Balletten machen kann, die in der Pariser Grand Opéra auf den ersten Blick nur überflüssig scheinen. So weit wie Tobias Kratzer in seiner Karlsruher Inszenierung von Meyerbeers «Blockbuster» aus dem Jahr 1849 ist jedoch kaum jemand gegangen: Die Tanznummern im dritten Akt werden (fast ungekürzt) von sechs B-Boys...
