Naturgewalten
Nachdem Wagner dem Rhein, Verdi dem Nil und Britten der Nordsee musikalische Denkmäler gesetzt haben, wissen wir, wie Flüssiges klingen kann. Und spüren stets, wie sehr bewegtes Wasser zum Spiegel innerster menschlicher Regungen wird. Neuerdings aber hat Gefrorenes Opernkonjunktur. Nach Miroslav Srnkas «South Pole» vor zwei Jahren in München folgten jüngst Beat Furrers «Violetter Schnee» in Berlin (siehe S. 16) – und «Jää» (Eis) in Helsinki.
Jaakko Kuusisto hat dazu den finnischen Erfolgsroman seiner Landsfrau Ulla-Lena Lundberg auf ein Libretto von Juhani Koivisto in Musik gesetzt. Die Änderung des Aggregatzustands lässt nichts Gutes für unseren gesellschaftlichen Gefühlshaushalt ahnen. Leben wir längst in emotionaler Vereisung?
«Jää» erzählt zwar vom Mikrokosmos der Örar-Inseln, einem entlegenen Archipel, in den ein junger Pastor mit seiner Familie kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs eindringt und zum Hoffnungsträger für die Überwindung alter Gräben wird. Doch den Zwist zwischen christlichem Glauben und dem archaischen Wissen der rauen Ureinwohner, das ihnen im Kampf gegen die Unbill der Natur ihr Überleben sichert, kann auch der Pfarrer nicht versöhnen. Der Brückenbauer, der ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Peter Krause
Vor drei Jahren hat die junge Sopranistin Anna Lucia Richter ihre erste Solo-CD vorgelegt (siehe OW 3/2016). Was damals ein Versprechen war, wird jetzt mit ihrem zweiten, Schubert gewidmeten Solo-Album zur Erfüllung. Dabei macht sie es sich mit bekannten Highlights wie Goethes Mignon-Liedern, dem «Ave Maria» oder dem «Hirt auf dem Felsen» nicht leicht. Technisch...
Die größte Herausforderung, will man Antonio Vivaldis Oratorium «Juditha Triumphans» auf die Opernbühne bringen, besteht sicher darin, die fünf vorgeschriebenen Frauenstimmen in mittlerer bis tiefer Tessitura, die der Komponist seinerzeit für die Premiere im Mädchen-Waisenhaus Ospedale della Pietà auswählte, so charakteristisch zu casten, dass sich ihre Farben...
Solche Abende gibt es. Sie heben hoch an, schütten aus extremer (Fall-)Höhe eine Unmenge an Bildern, Assoziationen und Allusionen auf die Bühne herab, sind für sich genommen virtuos in ihrer Diskursvernarrtheit – aber das eigentliche Stück, seine Psychologie, mehr noch: die musikalische Semantik vergessen sie darüber fast vollständig. Ein solcher Abend ist die...
