Kreativer Eigensinn

Nach dem Intendantenwechsel: Lydia Steier und Joana Mallwitz drücken im Zürcher «Rosenkavalier» mächtig auf die Tempo-Tube

Opernwelt - Logo

Mariandl mag net. «Nein, nein, i trink kein Wein», ziert sich die Kammerzofe alias Octavian im dritten Akt von Strauss’ musika -lischer Komödie «Der Rosenkavalier» vor Baron Ochs auf Lerchenau, der sie betrunken (und damit willig) machen möchte. Die Dirigentin am Zürcher Opernhaus, das soeben von dieser Zeitschrift zum «Opernhaus des Jahres» gekürt wurde, darf sich dagegen auf keinen Fall als Abstinenzlerin aus -geben.

Einen Tag nach der zweiten Aufführung des «Rosenkavaliers» in Zürich erhielt Joana Mallwitz im nicht weit entfernten badischen Neuenburg am Rhein den diesjährigen Gutedelpreis – 225 Liter bekömmlichsten Weißwein im Eichenfass, abgefüllt auf 300 Flaschen. Die Markgräfler Gutedelgesellschaft e. V. verleiht den Preis jährlich für «öffentlich wirksamen, kreativen Eigensinn», womit die Juroren nicht nur Mallwitz’ künstlerisches Selbstverständnis als Kommunikatorin und ihren Vorbildcharakter für junge Musikerinnen meinen, sondern auch ihren beherzten Widerspruch gegen die Einsparungen im Berliner Kulturleben.

Voller «kreativem Eigensinn» steckt auch ihr «Rosenkavalier» in Zürich. Als Dirigentin dürfe sie sich hier nicht ausbreiten, sondern müsse immer vorantreiben, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Lotte Thaler

Weitere Beiträge
Ein Avantgardist ist er nicht

Der Satz hat Format und einige dialektische Würze. «The past is never dead. It’s not even past». So steht es in William Faulkners 1951 erschienenem Roman «Requiem for a Nun». Auch Detlev Glanert und der Librettist Reinhard Palm stellen diese philosophisch klugen Worte in deutscher Übersetzung («das Vergangene ist niemals tot, es ist nicht einmal vergangen») dem...

Zu viel Druck auf der Tube

Das Drama beginnt vorschriftsgemäß. Maestoso e deciso wünschte sich Bellini den Beginn der Ouvertüre zu seiner «Norma», majestätisch und entschieden. Und genauso gehen die Musikerinnen und Musiker des Transylvania State Philharmonic Orchestra das g-Moll-Allegro an. Am Pult steht mit Pier Giorgio Morandi allerdings auch ein Experte in Sachen Belcanto, der weiß, wie...

Und was ist die Erkenntnis?

Man(n) trägt Perücke. Irgendwann im ersten Akt lässt sich auch der Kritiker von einer Mitwirkenden eine solche andienen: Modell mondäne Allongeperücke, ins Horizontale gerückt. Jetzt gehört man also dazu, zu Mahagonny, dieser seltsamen Stadt, in der man schon auf dem Vorplatz des Theaters Basel begrüßt wurde: «Willkommen in Mahagonny, willkommen daheim». Daheim?

Ir...